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Amy

Als die zu dem Zeitpunkt älteste Hündin im Tierheim im Juli 2018 bei uns einzog, hatte ich mit einem sehr viel höheren medizinischen Pflegeaufwand gerechnet. Aber da hatten die Tierheimmitarbeiter in den Monaten nach der Sicherstellung schon hervorragende Vorarbeit geleistet.

Drei bis auf die Knochen abgemagerte Hunde aus einer Wohnung mussten von Flöhen, Milben und Würmern sowie kompletter Verfilzung befreit werden, eh man sich überhaupt auf den dringend notwendigen Gewichtsaufbau konzentrieren konnte.
Die Behandlung diverser Erkrankungen und Verletzungen konnte immer nur schrittweise an den Allgemeinzustand angepasst werden.

Ich habe großen Respekt vor den Mitarbeitern, die solche Fälle während des laufenden Tierheimbetriebs auch noch meistern.

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Auch hatte ich niemals erwartet, dass diese anfangs nur noch 13 kg „schwere“ Bearded Collie Hündin trotz ihres damaligen Zustands und Alters tatsächlich noch einmal derartig lebensfroh und scheinbar unberührt von ihrer Vergangenheit durch unser Leben trampelt, dass es pures Glück ist, sie dabei begleiten zu dürfen.

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Das U-Shi-Tier war in die Jahre gekommen, inzwischen taub und dement.
Die Begrüßung unserer neuen Mitbewohnerin fand daher erstmals nicht bereits im Tierheim statt, Autofahrten stressten die immer öfter orientierungslose alte Dame zu sehr.

Wie aber auch bei den Vorgängern wurde Amy von ihr freundlich distanziert aufgenommen, Amy hingegen fand alles bei uns von Anfang an einfach nur toll. Vor allem an die Sofas wurde gleich „meins“ gekritzelt. Kann damit zusammen hängen, dass sie dort sicher ist vor unserem kleinen Oberfeldwebel, die natürlich als 15-jähriger Kleinhund solche Höhen nicht mehr erklimmen kann.

Die Behandlung der gesundheitlichen Schäden, bedingt durch die lang andauernde schlechte Haltung beim Vorbesitzer, sind bei mir inzwischen vertraute Handgriffe.
Ohren- und Augenspülungen, Augentropfen, Medikamentenvergabe und Bäder zur Hautberuhigung wären nicht der Rede wert, da Amy auch das alles problemlos über sich ergehen ließ. Die Ohren- entzündung ist leider chronisch und inzwischen wird da auch mal während der Behandlung gemault, aber wirkliche Kämpfe gibt es nach wie vor nicht.

Menschen gegenüber ist Amy einfach ein Schatz. Immer freundlich, für manchen vielleicht schon fast zu aufdringlich. Da bekommt sie vor allem von anderen Vierbeinern ab und an eine Ansage, wenn sie zielstrebig zum Streicheln und Leckerchen abstauben deren Besitzern zu sehr auf die Pelle rückt.

Ist ihr aber auch egal, beim nächsten Treffen wird der Besitzer wieder zwangsbekuschelt, ob dessen Hund das nun toll findet oder nicht. Doch ist Amy ist in der Beziehung völlig lernressistent.

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Ihr Verhältnis zu Artgenossen ist ohnehin etwas dubios.
Sie hat gleich in den ersten Tagen wirklich tolle Hundekumpel gefunden, mit denen sie durch die Wiesen streift als kenne sie diese schon von Welpenpfoten an. Angeleint wird allerdings gern erst mal jeder fremde Hund angebrüllt, aber die Hunde reagieren in der Regel recht gelassen auf die dann schon sehr aufgebrachte Hundelady. Mehr Schein als Sein, das durchblicken die allermeisten auf Anhieb.

Große schwarze Hunde und Dackel sind für Amy hingegen der gelebte Albtraum, da sucht sie umgehend das Weite. Ebenso bei Hunden, die noch mehr Temperament haben als unsere Wuchtbrumme. Bei Zusammenkünften mit potenten Kleinhunden hingegen mutiert sie zum Junghund, während diese wiederum gar nicht begeistert von einer nicht gerade grazil umherhüpfenden Seniorin sind.

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Irgendwie hat Amy da schon fast etwas menschliches. Alles kann, nichts muss und die Grauzone zwischen Freund und Feind ist unendlich groß. Bei einer Kurzbeschreibung zur Verträglichkeit mit Artgenossen müsste bei ihr ein „vielleicht“ stehen.

So könnten wir also alle zufrieden mit der Aufnahme vom Emmiken sein, wie meine Nachbarn sie nennen... Wenn sie nicht beim Auspacken ihres Köfferchens ein Nebelhorn gefunden hätte.

Nach einem Arztbesuch wurde ich schon vor der Haustür von einer Nachbarin empfangen, die mir erzählte, dass sie zunächst dachte, ich würde Löcher in die Wände bohren.

Sie muss mein Fragezeichen auf der Stirn bemerkt haben und fuhr dann fort, dass sie erst im Hausflur erkannt hatte, dass Amy offensichtlich nicht erbaut von meiner Abwesenheit war. Natürlich hatte Amy mich inzwischen vor der Tür gehört, also war mir in dem Moment noch nicht klar, wieso meine Nachbarin an Bohrgeräusche dachte.

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Das präsentierte mir Amy dann prompt in den darauf folgenden Tagen.

Ja, die Umschreibung der Töne traf es schon sehr gut, in Natura sind die schaurigen Melodien aber dann doch eher einem Nebelhorn in tiefster Nacht zuzuordnen. Wirklich furchteinflößend stimmte sie Tag für Tag mehr gruselige Gesänge an, sobald ich auch nur die Tür hinter mir schloss.

Nun muss ja jeder einmal ohne Hund irgendwo hin und meine Nachbarn sprangen spontan ein. Das ging ein paar Tage gut, dann stimmte sie sich auch dort ein.

Glücklicherweise bot sich Gassigängerin Agathe aus dem Tierheim an, mit Amy eine Runde zu laufen oder sich bei mir zu Hause mit ihr zu beschäftigen, wenn ich weg musste und wir hatten eine wirklich gute Lösung gefunden.

Natürlich habe ich immer wieder versucht, in kleinen Schritten das Alleinsein zu üben, aber bei Senioren muss man vielleicht auch irgendwann einsehen, dass man nicht mehr alles ändern kann. Amy braucht eben mehr als einen Betreuer, GsD ließ sich auch das für die eigenwillige Omi einrichten. Agathe ist als Patentante fürs Emmiken inzwischen Familien- mitglied.

Amy wieder auf Normalgewicht zu bringen war übrigens keine wirkliche Aufgabe, für sie darf es gern immer noch etwas mehr sein. Nachschlag? Selbstverständlich! Schwieriger ist es inzwischen, die Fettpölsterchen nicht zu ausgewachsenen Polstern werden zu lassen, denn unsere gefräßige Lady kann auch Küchenschränke und Türen öffnen, wenn es sich für sie lohnt.

Die Hundebesitzer, die ihr freiwillig etwas zukommen lassen, kennt Madam natürlich auch ganz genau. Wie ein geölter Blitz in Langhaarausstattung fegt sie dann über die Wiese, ohne mich auch nur noch eines Blickes zu würdigen. Dann ist nix mehr mit „dankbarer Tierheimhund“, dann bin ich eine Fremde.

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Ansonsten ist sie ein Bearded Collie, wie er in einer Rassebeschreibung so treffend be- zeichnet wurde: kein Hund für Sauberkeitsfanatiker!

Nicht nur einmal musste sie schon aus Brombeerbüschen befreit werden, jedes noch so dichte Gestrüpp muss inspiziert werden. Kletten sammeln ist ebenso eine ihrer leichtesten Übungen. Matsche, Wind und Wetter sind ihr Element und keine Pfütze tief genug, um nicht von ihr durchlatscht zu werden.

Eben eine wirklich fröhliche Hundeoma, die es noch mal so richtig krachen lässt.

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Das verrückte Huhn passt zu uns, so ganz ohne Macken wäre das schwieriger. Wir haben doch alle unsere kleineren oder größeren Defizite, mit Gleichgestrickten ist das viel leichter zu nehmen.

Also ziehen wir drei betagten Damen als zusammengewachsenes Trio täglich unsere Runden. Amy vorne weg, immer auf der Suche nach neuen Abenteuern, ich hinterher und U-Shi trägt die Schlusslaterne, die es mir ermöglicht, sie immer wieder einzusammeln, wenn sie sich auf gerader Strecke verläuft. Hoffentlich noch ganz lange gemeinsam!

Wir wünschen eine frohe Vorweihnachtszeit und vielleicht ein wenig Schnee für die Weihnachtsstimmung!

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24.12.2018

02.12.2019


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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