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U-Shi

Das U-Shi-Tier und friends

Meine pelzige Friedenstaube spielte in meinen Geschichten der letzten Jahre immer nur eine Nebenrolle, daher wird es nun wirklich Zeit zu erzählen, wie die kleine Herzdame zu mir kam.

Ende 2007 gab es in Ostfriesland folgende Nachricht:

55-jährige hält über 50 Hunde in 2 Zimmern

All diese Hunde dienten einzig und allein der Welpenproduktion, was zahlreiche Verkaufs- anzeigen in diversen Internetportalen bewiesen. Das Ordnungsamt ordnete die Räumung dieser tierschutzwidrigen Haltung an.

Einen Großteil dieser Hunde übernahm Collie in Not, alle Hunde mussten zunächst von Parasiten wie Ohrmilben und Giardien befreit werden. Ebenso standen etliche Operationen an, da die meisten Hündinnen unter Gebärmutterentzündungen und Mammatumoren litten, andere hatten verwachsene Gehörgänge oder alte, unbehandelte Brüche.

Eine Lhasa Apso Hündin unter ihnen sonderte sich immer von den anderen Hunden ab, fraß nicht mit ihnen und legte sich nie zum schlafen zu ihnen. Daher kam sie nach überstandener Erstversorgung zu mir zur Pflege, bis sie vermittelbar war.

Ihre Ohren waren durch den starken Milbenbefall chronisch entzündet, ebenso litt sie unter einer Faltendermatitis im Genitalbereich, entstanden durch das ausgerissene Gewebe wegen der ständigen Trächtigkeiten. Diese Behandlungen sind zwar langwierig und kostenaufwendig, aber schlimmer als die körperlichen Probleme waren ihre seelischen.

Sie hatte nie wirklich als Hund gelebt, kannte weder Halsband noch Leine und schon gar nicht das Leben ausserhalb des Hauses. Ich war bereit, ihr alles zu zeigen, aber bis sie sich dazu durchringen konnte, es auch zu genießen, sollte es aber lange dauern.

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Unser Riesenschnauzer-Mix Hugo war ihr dabei eine große Hilfe.
Der damals bereits 17jährige war ein Gemütshund, der ihr die Ruhe gab, die sie brauchte. Trotzdem baute sich die Kleine zunächst ihr eigenes Nestchen unter meinem Bett, wo sie den größten Teil der Zeit verbrachte. Sie wollte nur Ruhe, die sollte sie bekommen.

Raus konnten wir in den ersten Tagen nur mehrfach gesichert mit Halsband und Geschirr, meist trug ich sie eingewickelt wie einen Rollbraten zur Wiese, damit sie mir nicht abhanden kam. Jedes Auto, jede zuschlagende Tür, ich weiss gar nicht mehr was sie alles dazu veranlasst hat, völlig in Panik zu geraten.

Ohne Hugo ging gar nichts, er musste bei jedem Besuch in die freie Landschaft dabei sein. Da sie noch nicht stubenrein war, folgten auch für Hugo viele, viele kurze Besuche in eine Welt draussen, die für die meisten Hunde so selbstverständlich sind.

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Schneller als vermutet konnten wir unsere Spaziergänge ausweiten, auch wenn sie sich immer wieder auf den Boden warf, sobald sie durch die vielen neuen Eindrücke überfordert war. Aber sie bekam die Zeit, die sie brauchte, bis sie begann, ihre Umwelt zu erkunden und nicht nur noch darauf zu achten, dass nicht irgendwo irgendwer eine Bewegung oder ein Geräusch machte.

Bis es soweit war, arbeiteten wir nicht nur an ihrem Wohlbefinden, sondern auch an einem Namen. Länger als andere unserer Not- fellchen hatte sie irgendwie gar keinen, denn seit wir sie auf- genommen hatten, war sie wie selbstverständlich „der kleine Hund“.

Aber nachdem sich, auch mangels Interessenten, keine Vermittlung anbahnte, meinte meine Tochter eher ironisch, sie könnte Uschi heißen. Gefiel mir zu ihrem Erstaunen auf Anhieb, da die Ursula übersetzt die kleine Bärin ist und das passte. Die Schreibweise passten wir einfach ihrer tibetischen Abstammung an. So wurde aus dem kleinen Hund die U-Shi.

U-Shi und ihre Leidensgenossen waren inzwischen größtenteils vermittlungsfähig und wurden sowohl bei „Tiere suchen ein Zuhause“ als auch in der Zeitschrift „Der Hund“ vorgestellt.

Es gab viele tolle Menschen, die einen der Hunde aufnehmen wollten, glücklicherweise viele vor allem die älteren. Für U-Shi allerdings tat sich allerdings nichts, gar nichts. Das könnte auch daran gelegen haben, dass sie es bei allen Aufzeichnungen fertig brachte, nur irgendwo im Hintergrund ihre Hinteransicht zu präsentieren.

Wochen später wurde sie auf der HP von Collie in Not von einem sehr freundlichen Lhasa Apso- Liebhaber entdeckt. Allerdings scheiterte die Vermittlung dann doch an den Verhaltensweisen, die U-Shi durch die schlechte Haltung in ihrer Vergangenheit lange nicht abschütteln konnte.

Diese eine Vermittlungschance brachte mich ins Grübeln.
U-Shi wurde mit ganz kleinen Schritten gelassener, mutiger und lockerer, wollte ich das wirklich durch einen weiteren Umzug gefährden?

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Ich bin ehrlich, ich wollte so sehr selbst erleben, wie sich aus der kleinen Plüschraupe ein Schmetterling entpuppte. Aber dann hätte ich zwei Hunde und ob ich mit ihr weiterhin Pflegestelle sein könnte?
Sie hatte nie Probleme bei Hundekontakten, aber vielleicht würde sie ein regelmäßiger Wechsel überfordern.

Es folgten schlaflose Nächte, viele Gespräche mit Frau Koopmann von Collie in Not, bis ich endlich entschloss, wirklich und tatsächlich Kleinhundebesitzerin zu werden. So wurde aus der Geschichte vom kleinen Hund unsere gemeinsame Geschichte, die noch immer eine Geschichte von gegenseitigem Lernen und Verstehen, von Liebe und Vertrauen ist.

Der Knoten der kleinen verletzten Hundeseele platzte unvermutet, als wir eine weitere Hündin zur Pflege aufnahmen.

Die panische Border Colliehündin schloss sofort Freundschaft mit U-Shi bzw. U-Shi mit ihr.
Bei einem Gewitter, das Sally schlotternd in den Flur flüchten ließ, legte sich die Kleine ganz eng an sie und so verbrachten sie gemeinsam deutlich entspannter das Donnern und Blitzen.

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U-Shi wuchs an ihrer Aufgabe und das blieb glücklicherweise auch nach Sallys Vermittlung so.

Nur ein Jahr nach U-Shis Einzug verstarb mein Hugobär. Wir litten beide unendlich, auch das schweisste uns zusammen. Einige Monate später zog Kurti bei uns ein, ein Glücksfall für uns alle.

Als Kurti uns 2 Jahre später für immer verließ, war ich mir nicht sicher, ob U-Shi nun nicht besser Einzelhund bleiben sollte. Sie war endlich wirklich angekommen, wenn auch nach wie vor eher skeptisch als mutig neuen Situationen gegenüber.
Als Rico dann aber eine Endstelle brauchte, waren die Zweifel schnell verflogen und so hatten wir wieder beide eine neue Aufgabe.

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Einen wunden Punkt aus U-Shis Vergangenheit schleppte sie jedoch Jahr für Jahr mit sich herum:

Sobald sie einen Welpen sah, wurde sie hektisch aufgeregt und musste sich um ihn kümmern, ob dieser oder ihre Besitzer das wollten oder nicht. Die Zwerge wurden durchgeschleckt, bis sie klitschnass waren und von ihr auf Schritt und Tritt verfolgt.

Ich wusste, dass sie drei 4 Wochen alte Welpen hatte, als die Massenzuchtstätte entdeckt wurde. Diese waren eine Woche später bei der Räumung verschwunden. Wahrscheinlich wurden ihr alle ihre Welpen zu früh entrissen, denn die „Ware Welpe“ hat im unseriösen Handel nur eine begrenzte Verkaufszeit.

Zumindest deutete U-Shis Verhalten darauf hin, dass sie nie die Möglichkeit hatte, sich von ihren Welpen völlig abzunabeln. Es hat schon seinen Grund, weshalb Welpen per Gesetz erst nach Ablauf der 8. Woche von Geschwistern und Muttertier getrennt werden dürfen. Nicht nur für die Welpen sehr wichtig, sondern auch für das Muttertier.

Der Zufall half ihr bei der Bewältigung dieses Problems.
Im Tierheim saß über Weihnachten ein kleiner Welpe allein im Welpenzimmer, der dringend einen Mama-Ersatz brauchen konnte. So nahmen wir Klein-Karlson bei uns auf und U-Shi war mit Leib und Seele gern seine Ziehmutter. Endlich bekam sie die Möglickeit, ihren Muttergefühlen freien Lauf zu lassen.

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Sie tüddelte, putzte, spielte und schimpfte mit dem Zwerg, der zu einem prächtigen und perfekt sozialisierten Junghund heran wuchs. Und es kam auch die Zeit, an dem sie „ihren Sohnemann“ ziehen ließ in der Gewissheit, alles getan zu haben, was man für den Nachwuchs eben so tut.

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Wenn ich bis dahin nie sicher war, ob sich U-Shi als Ersthund bei einer Pflegestelle eignen würde, umso sicherer wurde ich mir durch Karlson. Nach Karlsons Umzug in sein neues Zuhause folgte dann aber wieder eine ältere, ruhige Hündin, die leider nach nur 4 Wochen bei uns verstarb.
Gizeh(la) hatte einen seltenen Herztumor, der so rasant wuchs, dass wir uns viel zu schnell wieder von ihr trennen mussten.

Wir brauchten eine Pause, dringend.
Soviel Turbulenzen, viel Freude, aber leider auch viel zu viel Trennungsschmerz machten uns zu schaffen. Meine kleine Plüschmurmel hatte genau wie ich aufregende Jahre und so beschloss ich zum wiederholten Mal, uns ein gaaanz tiefes Durchatmen zu gönnen.

Leider leichter gesagt als getan, denn ganz plötzlich verstarb dann auch noch Rico, unsa Alfred, der uns bis dahin doch auch immer noch ein wenig Wind unter die Segel geblasen hatte.

So folgte eine lange Zeit, in der U-Shi und ich unsere Zweisamkeit genossen.
Meine Tochter war wegen ihres Studiums inzwischen ausgezogen, aus Kindern werden Leute. Also verbrachten U-Shi und ich eine Auszeit, in der wir uns gegenseitig gut taten...

Bis Lumpes in unser Leben schneite, worüber die erste Geschichte im letzten CG- Adventskalender berichtete.

07.12.2016

09.12.2016


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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