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Lilou

Mein zweites Leben

Hallo zusammen, ich bin die Lilou. Ich soll hier etwas über mich erzählen wurde mir gesagt. Ok, dann will ich mal anfangen – auch wenn ich manches lieber vergessen hätte…

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Ich wurde irgendwann gegen Ende der 90er Jahre im Süden Deutschlands geboren. Wann genau weiß ich leider nicht mehr, mit Zahlen haben wir Hunde es ja nicht so. Eigentlich spielt das auch keine große Rolle, denn ich denke an mein altes Leben nicht so gern zurück und bin froh über jede Erinnerung, die verblasst. Daher kann ich meiner Familie auch nicht sagen, wie genau ich meine ersten Lebensjahre verbrachte.

Besonders schön waren sie jedoch nicht, das kann ich euch sagen, aber man schlug sich halt so durch und schraubt seine Ansprüche runter. Ich hatte ein Herrchen und dieses Herrchen war für mich der Größte. Er gab mir Futter, er ließ mich bei sich wohnen, dafür versprach ich ihm Treue und Schutz – wie es sich für einen guten Hund gehört. Dabei spiele für mich keine Rolle, ob mein Herrchen Drogen nahm, Drogen verkaufte oder sonst irgendwelche verbotenen Dinge tat. Er war eben mein Herrchen – nur das zählt für einen Hund.

An einem Tag – es muss ungefähr Ende 2001 gewesen sein – geschah etwas, was mein Leben (welches zwar nicht gerade das Beste aus Hundesicht war, aber mit dem ich mich eben arrangiert hatte) völlig aus den Fugen warf.

Mein Herrchen muss mal wieder Mist gebaut haben und wie so oft müssen es dann die Hunde ausbaden. Ich wurde aus dem Schlaf gerissen als mehrere grün angezogene Männer mit Waffen in unsere Wohnung stürmten, um diese zu durchsuchen und mein Herrchen, dem ich treu ergeben war, zu verhaften.

Als Hund weiß man nichts darüber, dass manche Menschen sich „Polizisten“ nennen und so etwas aus gutem Grund tun. Und dass sie das dürfen. Und dass sie wahrscheinlich viel nettere Menschen als mein Herrchen sind.

Als Hund sieht man nur, dass das geliebte Herrchen angegriffen wird – und tut, was ein Hund eben tun muss. Man verteidigt ihn so gut man kann. Ich kann von großem Glück reden, dass ich an diesem Tag nicht sofort erschossen worden bin, denn vielen meiner Artgenossen, die auch nur das aus ihrer Sicht richtige für ihre Herrchen und Frauchen tun, ergeht es ja leider so.

Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was geschah, das war wie ein böser Traum. Später hörte ich, wie verschiedene Menschen es ganz verschiedenen beschrieben. Manche sagten, die Männer hätten mich geschlagen, andere sagten, sie hätten nur meinen Besitzer grob angefasst. Manche sagten, ich hätte nur ein Hosenbein zerrissen, andere sagten, ich hätte einen oder gar zwei der Männer wirklich an der Wade verletzt. Wenn das so ist, dann bitte ich um Entschuldigung. Ich wollte nur mein Herrchen beschützen.

Einig war man sich hingegen darüber, dass ich sehr viel Angst vor den Männern hatte und eigentlich nur weg wollte. Aber das ging natürlich nicht und Angriff ist eben manchmal die beste Verteidigung...

Damals war man noch viel schlechter auf Hunde, die so aussehen wie ich, zu sprechen als heute. Es war noch nicht allzu lange her, dass zwei mir ähnliche Hunde in Hamburg eine schreckliche Tragödie angerichtet hatten, weil sie von ihrem kriminellen Herrchen genau dazu erzogen wurden. Aber da nach Gründen für Fehlverhalten von Hunden wie uns weder in Hamburg noch im Allgäu jemand fragte und man stattdessen lieber eine „Null Toleranz Politik“ gegen Hunde im falschen Fell anstimmte, sah es einfach schlecht für mich aus.

Relativ schnell war mein Urteil gefällt: Ich sollte sterben.

Also kamen Leute mit einer langen Stange, an der eine Schlinge war, in die Wohnung meines Herrchens, fingen mich damit ein und sperrten mich in eine Kiste. Sie brachten mich in ein Tierheim, welches – wie verschiedene hohe Tiere entschieden hatten – meine letzte Station sein sollte.

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Den Tierheimmitarbeitern wurde ich als ganz gefährlicher, bissiger Hund angekündigt, so dass sie sich mit gebührendem Respekt nähern wollten und mich samt Kiste in den Zwinger sperrten. Aus der Kiste traute ich mich die erste Zeit gar nicht raus. Ich verstand das alles doch gar nicht. Und ich hatte mindestens so viel Angst vor denen, wie die vor mir.

Das bemerkten die netten Leute aus dem Tierheim auch recht schnell und sie bemühten sich dann sehr um mich. Sie fanden mich gar nicht böse und gefährlich und verstanden nicht, warum man mich töten wollte.

So hielten sie erneut Rücksprache mit den Beteiligten der Polizei und den Lokalpolitikern, die sich inzwischen eingeschaltet und meinen Tod beschlossen hatten, und handel- ten einen Deal aus, der mein Leben rettete.

In der Nähe gab es einen Gnadenhof einer jungen Frau, die für Hunde wie mich scheinbar ein Herz hatte und die bereit war, mich aufzunehmen. Und so wurde mein Einschläferungs- befehl unter der Bedingung, dass ich Zeit meines Lebens diesen Gnadenhof niemals verlasse (auch nicht zum Gassi gehen) und dort sicher verwahrt werde, aufgehoben.

Ich bin diesen Tierheimmitarbeitern sehr dankbar, denn ohne deren wirklich engagierte Fürsprache für mich, könnte ich diese Zeilen nicht mehr schreiben.

Ich zog nach einigen Wochen oder Monaten – man verliert im Zwinger jedes Zeitgefühl – wieder um. Und ich war ganz aufgeregt, wenn auch wie immer sehr ängstlich. Aber ein Gnadenhof, noch dazu bei einer Frau, die Hunde wie mich mag, klang erstmal ganz gut. Zuerst war es das auch, ich wurde herzlich aufgenommen und lernte alle kennen.

Schon bald jedoch musste ich feststellen, dass es auf diesem Gnadenhof nicht all zu gnädig zuging. Dort musste ich in einem viel kleineren Zwinger als im Tierheim leben. Der Hof zog nach einiger Zeit auf ein neues Gelände um, doch das besserte meine Situation nicht – eher im Gegenteil.

Mein neues, „gnädiges“ Zuhause war in einer Halle mit zeitweise über hundert anderen Hunden. Ich hatte 4 qm Platz. Es gab keine Heizung, keine Wärmelampe, einen nackten Holzboden – manchmal mit Stroh, manchmal mit `ner Decke.
Und ich konnte nicht mal nach draußen schauen: Um mich rum, gegenüber, egal wo man hin schaute nur andere Hunde hinter Gittern, die die ganze Zeit bellten oder jaulten, weil es ihnen so schlecht erging wie mir auch.

Es gab ein paar nette Menschen dort, die lieb zu mir waren – wenn sie mal Zeit hatten. Denn es waren leider viel zu wenige für die Masse an Hunden. Und es gab ja auch noch Katzen, Pferde, Esel, Kamele, Schafe, Ziegen, Hühner – da blieb nicht viel Zeit für jeden einzelnen.

Und so verging Tag für Tag ohne dass ich aus dem Zwinger kam, in dem ich mich gerade mal drehen konnte.

Niemals durfte ich mit anderen Hunden toben und so verlernte ich wie man mit meinesgleichen spricht. Wenn ich Glück hatte, bekam ich einen kurzen Spaziergang an einem Berg bis zur Hofgrenze hoch oder ich durfte eine kurze Weile auf einem leeren Platz laufen, aber das war leider nicht oft der Fall.

Die nette Frau, die mich damals gerettet hatte, sah ich nur noch sehr sehr selten. Manchmal kamen Leute mit einer Kamera, dann wurde ich schon mal von ihr vorgezeigt – und dann wieder weggesperrt. Einmal im Monat kamen sehr viele Leute, um sich den Hof anzuschauen – auch dann kam ich manchmal raus und wurde von einigen Leuten gestreichelt, aber auch nicht immer.

Meine Verzweiflung wuchs, ich biss aus Langeweile und überschüssiger Energie – immerhin war ich ein junger Hund – in die Gitterstäbe bis alle meine Zähne abgebrochen, abgeschliffen und entzündet waren.

Die Jahre vergingen. Sommer um Sommer sah ich kaum Sonne, Winter um Winter fror ich im Zwinger. Auch wenn ich dankbar war, dass die Frau, der der Hof gehörte, mir das Leben gerettet hat, kamen Tage, an denen ich gezweifelt habe, ob das die bessere Alternative für mich war. Schließlich ergab ich mich in mein Schicksal.

Während auf der Homepage des Hofes stolz verkündet wurde, ich fühle mich sehr wohl und wolle nicht mehr weg von dort, gab ich mich immer mehr auf. Mein Fell wurde stumpf und juckte, ich verlor es zum Teil, meine Zähne schmerzten und ich roch immer schlechter – wen störte es, es wollte mich eh niemand haben. Ich durfte ja auch eh nicht weg.

Und dann eines Tages im Frühling 2006, an einem diesem Tage, an dem so viele Leute zum Hofanschauen kommen, war da eine junge Frau mit einem jungen Mann. Ich saß gerade an der Leine außerhalb der Halle, da sah sie mich und rief plötzlich „Das ist die Lilou, da muss ich hin“.

Huch? Sie kannte mich?

Ich kannte sie nicht, da war ich sicher – woher wusste sie wie ich heiße?

Sie kam zu mir und streichelte mich und war ganz aufgeregt. Sie fragte, ob ich zu vermitteln wäre, aber die Frau, die mich an der Leine hielt (eine Mitarbeiterin), verneinte das. Die junge Frau kam in den nächsten Stunden öfter noch mal, um mit mir zu sprechen und zu schmusen und sie ließ nicht locker.

Sie sprach mit Leiterin des Hofes, die mich ja damals aufgenommen hatte, und stellte ihr sehr viele Fragen. Plötzlich klang es so, als gäbe es durchaus Möglichkeiten für mich, umzuziehen.

Offenbar kam das Pärchen von sehr weit her und war viele Stunden gefahren. Und sie wohnten dort, wo es nicht wichtig war, ob man hier – so weit weg von ihrem Zuhause – entschieden hatte, dass ich den Hof nicht mehr verlassen sollte. Da galten andere Gesetze, da kannte mich niemand und ich war nicht vorverurteilt.

Ich hörte, dass sie einen anderen Hund hatten und es Sorge gab, ob wir uns wohl mögen würden. Ebenfalls hatten sie Katzen, die ich nicht jagen sollte. Ich hörte auch, dass der junge Mann seine Zweifel hatte und lieber keinen zweiten Hund wollte, schon gar nicht von so weit weg. Und dann fuhren sie wieder und ließen mich zurück.

Aber am nächsten Tag waren sie wieder da. Ich erfuhr, dass sie Natalie und Sebastian hießen. Sie hatten sich spontan ein Hotelzimmer mit ihrem Hund genommen und kamen zum Hof um uns einander vorzustellen.

Ich wurde aus der Halle zu einem Platz gebracht, wo man mich und die andere Hündin – die wie ich erfuhr Shiwa hieß – durch einen Zaun aneinander schnuppern ließ. Wir waren uns schnuppe. Wir gingen ein kurzes Stück nebeneinander spazieren und beachteten uns nicht. Wir kamen an den Hofkatzen vorbei und auch sie beachtete ich nicht.

So vereinbarte man, dass die beiden in einigen Wochen noch mal wiederkommen und dann überlegt werden sollte, ob sie mich mitnehmen. Und die Tage schlichen dahin. Es gab wohl viel Papierkram zu erledigen und endlich – nach 4 langen Wochen – kamen sie für 3 Tage wieder.

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Jeden Tag gingen wir spazieren und Shiwa und ich lernten uns besser kennen und liefen auch mal frei zusammen auf einem Platz. Sie zeigte mir die kalte Schulter, aber das wichtigste war, dass wir uns nichts getan haben – und das haben wir nicht. Nicht mal gebellt und geknurrt. Tjaaa, auch Weiber können sich durchaus benehmen, wenn es sein muss. Und für mich hing ja viel davon ab. Zum Glück hat Shiwa mitgespielt.

Und so stieg ich nach über 4 Jahren auf dem nicht so gnädigen Gnadenhof, nach einigen Wochen Tierheim und nach einem ersten Lebensabschnitt bei einem kriminellen Drogen- süchtigen am 1.5.2006 in ein schwarzes Auto, das mich in mein neues Leben brachte.

Natalie hatte mir auch ein tolles weiches neues Kissen gekauft, auf dem ich im Auto liegen durfte so verschlief ich die nächsten 6 Stunden (mit einem kurzen Zwischenstopp bei einer anderen lieben Frau, die mich gern kennen lernen wollte und in deren Garten ich mich sonnen und mit ihr knuddeln durfte) im Kofferraum bis ich in meinem neuen Zuhause ankam und erstmal ganz ganz vorsichtig und langsam alles erkundete.

Shiwa kannte ich ja schon und bald lernte ich auch meinen anderen Mitbewohner Benno, sowie die Katzen Ninja, Mongo und Tweety kennen. Aber ehrlich Leute – Katzen sind mir bis heute suspekt. Denen gehe ich soweit ich kann aus dem Weg… Die Weiber zicken nur rum und der Kater ist ganz schön irre und hier – seitdem die Katzendamen in z.T. biblischem Alter von uns gegangen sind (was ich dann doch immer ziemlich traurig fand und sie gesucht habe) – eindeutig der Chef, denn Katzenkrallen sind eine böse Sache…

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Mit Shiwa habe ich mich inzwischen ganz gut angefreundet und ich bin froh, dass sie da ist, denn ich kann mich gut an ihr orientieren. Nachdem auch sie die ersten Wochen ziemlich rumgezickt hat, weil sie nicht teilen wollte (Typisch verwöhntes Einzelkind halt!), hat sie mir danach viel gezeigt, was ich für mein zweites Leben wissen musste.

Außerdem gingen Natalie und Basti mit mir in eine Hundeschule, wo ich in meinem relativ hohen Alter noch sehr sehr viel gelernt habe.

Am Anfang hatte ich vor allem Angst, vor jedem Geräusch, vor jedem fremden Menschen, vor jeder Bewegung. Mit viel Übung und Unmengen Leckerchen (ich war ohnehin zu dünn) bekam ich langsam aber sicher Spaß am Leben, fasste Vertrauen und bestand schon nach nur 4 Monaten meinen Wesenstest, so dass ich ohne Maulkorb und Leine laufen und spielen durfte. Da soll noch mal einer sagen, dass alte Hunde nicht mehr lernfähig sind – PAH! Die beiden waren so stolz auf mich und ich auch ein wenig auf mich selbst.

Wir gehen seit dem oft auf Treffen mit vielen anderen Hunden, die alle frei laufen, was anfangs noch etwas schwierig war, aber ich lernte dort (wieder?), wie ich mit meinem Artgenossen sprechen kann und dass die meisten von denen echt nett sind – und inzwischen habe ich soooo viele tolle Hundekumpel, die ich regelmäßig treffe, das hätte ich nie zu träumen gewagt!

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Auch mit fremden Hunden freunde ich mich inzwischen sehr schnell an, auch wenn ich anfangs noch immer etwas Angst habe. Nur dunkle Schäferhunde sind mir irgendwie suspekt, da brauche ich eine etwas längere Gewöhnungszeit.

Weil ich jetzt immer mit super Futter versorgt werde, was gesund ist und auch noch schmeckt, habe ich auch wieder überall Fell bekommen, was ganz weich ist und glänzt wie noch nie zuvor. Und ich stinke auch nicht mehr so – außer aus dem Mund, sagt Frauchen immer.

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Herrchen ist inzwischen auch sehr froh, dass er sich umentschieden und doch einen zweiten Hund von so weit weg geholt hat – zwischen uns passt heute kein Blatt Papier.

Frauchen hört es bestimmt nicht so gerne, aber ich bin schon eher ein „Papa-Hund“, auch wenn ich „Mama“ natürlich auch sehr liebe. Aber so teilt es sich auch gut auf, denn bei ihr hängt Shiwa schon ständig am Rock- zipfel.

Kurz nach meinem Einzug in mein neues Leben fand Frauchen einen Knubbel an meinen Rippen, von dem keiner weiß, wie lange der schon da war. Da mir in einer Operation die Zähne gemacht (viele gezogen) werden mussten, nahmen sie den Knubbel mit raus und stellten fest, dass ich Krebs habe.

Natalie und Sebastian waren sehr traurig, weil sie dachten, sie würden mich jetzt schon sehr bald wieder verlieren. Aber da hatten sie die Rechnung ohne meinen Willen gemacht, mein erstes richtig gutes Zuhause in meinem Leben möglichst lange zu genießen.

Inzwischen lebe ich über dreieinhalb Jahre hier und mache noch keine Anstalten mich zu verabschieden. Natürlich bin ich nicht mehr die Jüngste, man schätzt mich auf etwa 12 Jahre und da hat man seine Wehwehchen. Ich musste noch mehrere Male operiert werden, weil der Krebs noch 2 mal wieder kam und weil ich riesige Epuliden bekam.

Nach einer OP habe ich mir die Zungenspitze in Narkose abgebissen. Die sieht jetzt aus wie bei einer Schlange, was meiner Schönheit aber keinen Abbruch tut, sagt Frauchen.

Demnächst muss ich wieder operiert werden – wieder an den Zähnen, denn die machen mir noch immer oft Schwierigkeiten. Sie sind einfach zu kaputt. Aber ich beschwere mich nie, jammere nicht und ertrage alles mit großer Gelassenheit, denn:

  • Ich darf jede Nacht mit in einem großen weichen Bett schlafen, ganz nah bei meinem Frauchen und habe einen eigenen Sessel im Zimmer von meinem Herrchen
  • Ich werde gehegt und gepflegt und meine Menschen tun alles, damit es mir gut geht und ich noch möglichst lange bei ihnen bin
  • Ich habe ganz viele andere tolle Menschen kennen gelernt, die ich auch sehr lieb habe. Zum Beispiel der Bruder von meinem Frauchen kommt ganz oft und schmust dann ganz doll mit mir
  • Ich habe viele tolle Hundefreunde, mit denen ich spiele, tobe und manchmal knutsche
  • Ich habe eine todschicke, sehr umfangreiche Halsband- und Geschirrkollektion, mit der ich angeben kann (auch wenn mir das ehrlich gesagt ja schnuppe ist, aber Frauchen hat da `nen Spleen und wenn es sie denn glücklich macht…)

Für 4 Jahre, in denen ich nie etwas anderes als den Gnadenhof gesehen habe, werde ich mit langen Spaziergängen an ganz vielen verschiedenen Orten entschädigt. Am liebsten mag ich die Heide in Haltern und alles, wo Wasser ist, denn ich bin eine Wasserratte.

Apropos: Ich wohne in einem Park mit einen großen Teich, in den ich im Sommer jeden Tag mehrfach zur Abkühlung reinspringen darf.

Meine Menschen haben mir etwas ganz tolles gezeigt: DAS MEER!

Letztes Jahr waren wir 3 Tage am Wattenmeer und die Wattwanderung fand ich super interessant. Und dieses Jahr haben wir den ersten richtigen Urlaub zusammen gemacht: 14 Tage am offenen Meer in Holland, so richtig mit Wellen. Toben am Strand und spazieren in den Dünen – da bin ich richtig aufgeblüht. Von wegen alt und krank! Und Frauchen hat mir versprochen, dass wir da nächstes Jahr wieder hinfahren – und da möchte ich natürlich wieder mit!!!

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Ich plane also trotz Alter und Krebs noch nicht, mich so bald zu verabschieden. Meinem Frauchen musste ich versprechen, wenigstens 4,5 Jahre bei ihr „voll zu machen“ – als Ausgleich für die Zeit auf dem Gnadenhof. Ich will jedoch hoffen, dass ich diese Erwartung bei Weitem übertreffen werde, denn das ist ja nur noch knapp ein Jahr.

Ich merke nämlich, dass ich hier wirklich sehr geliebt werde und dass ich das noch erleben darf, macht mich unglaublich glücklich und lässt mich meine nicht so schöne Vergangen- heit fast vergessen.

Puh, jetzt hab ich aber viel erzählt. Dabei bin ich doch sonst eine ganz ganz ruhige. Bei uns sind Shiwa und Frauchen die Labertaschen. Aber wenn man schon mal nach seiner Geschichte gefragt wird, muss man sich ja schließlich etwas Mühe geben.

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Zum Abschluss also einen dicken Schlabberschmatz mit meiner Schlangenzunge an alle, die mich kennen oder gerne kennen würden :-p

Wuff

Eure Lilou

P.S.: Um abschließend doch noch zu meckern: Durch die Kortisontherapie bin ich – ehemals rank und schlank - leider etwas moppelig geworden, weswegen mein Futter und besonders die Leckerchen jetzt streng eingeteilt werden.

Frauchen sagt zwar, dass sei langfristig zu meinem Besten, aber das finde ich voll doof. Das wollte ich jetzt – bei aller Liebe – doch mal gesagt haben. Vielleicht liest sie es ja und hat ein Einsehen ;-) Schließlich ist doch (bald) Weihnachten…

Ein paar Worte vom Frauchen

Als wir Lilou aufnahmen, wussten wir, dass wir einen alten Hund bekommen. Geschätzt 9 Jahre sagte man uns. Einen Hund, der es nicht immer gut gehabt hat in seinem Leben. Es war zu Anfang nicht alles ganz so einfach, denn einem so verstörten Tier die nötige Sicherheit zu geben, muss man erst lernen. Wie sagt man so schön: Man wächst mit den Aufgaben.

Aber eins kann ich mit absoluter Gewissheit sagen: Nichts in meinem Leben hat mich bisher so mit Freude und Glück erfüllt, wie das Aufblühen von Lilou zu sehen und wie sie sich Schritt für Schritt ins Leben tastete. Mehr als einmal standen mir Tränen in den Augen, weil mein Herz überging, wenn sie wieder einen Quantensprung in Sachen Vertrauen oder Sozialverhalten gemacht hat und man sehen konnte, wie fröhlich sie selbst dabei war. Bis heute gibt es stetig weitere kleine Fortschritte, die mich lächeln lassen.

Und so oft steigt Wut in mir auf, wenn ich höre: „Tierheimhunde – die sind doch versaut für’s Leben!“

Meine erste Hündin Shiwa kam ebenfalls aus dem Tierheim und war vom ersten Tag ein unkomplizierter Sonnenschein – der perfekte Ersthund. Und Lilou? Trotz schlechtem Start ins Leben, war sie lernbegierig auf all das, was ihr 9 Jahre versagt blieb. Ihre Entwicklung ist unglaublich und so möchte ich jedem, der behauptet, ältere Hunde könnten nicht mehr erzogen werden oder man könne nicht später ausbügeln, was anfangs versäumt wurde, ihre Geschichte entgegenhalten.

Unterschätzt mal die alten Nasen nicht – die können noch viel mehr als man denkt ;-)  Sie müssen nur einen Grund bekommen, es zu zeigen.

Ich bin jeden einzelnen Tag froh, dass wir Lilou einen Platz bei uns gegeben haben. Die Freude überwiegt die Arbeit tausendfach  :-)

14.12.2009

16.12.2009


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weihnachtstiere

Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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