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Capper

Ende August diesen Jahres wussten wir, dass wieder ein Hund bei uns einziehen sollte.

Nun saßen wir also zusammen im Wohnzimmer und waren das erste Mal „hochoffiziell“ auf der Suche nach einem Familienmitglied. Dabei war für uns klar, dass wir einen Hund aus dem Tierschutz bei uns aufnehmen wollten.

Wir wussten, dass er nicht riesengroß sein sollte, um ihn bei Bedarf die Treppen zu unserer Wohnung hochtragen zu können und weil wir ihn gerne möglichst überallhin (Familie, Freunde, Urlaub) mitnehmen wollten.
Außerdem wäre eine etwas ausgeprägtere Bewegungsfreude toll da wir, neben ausge- dehnten Spaziergängen, auch gerne einen Begleiter zum Joggen oder Fahrradfahren hätten.

Der erste Anlauf führte uns ins Internet, wo wir die Seiten verschiedener Tierschutz- organisationen aufriefen.
Obwohl wir uns vorher gesagt hatten, dass wir absolut unvoreingenommen in das neue Abenteuer hineingehen würden, hatte wohl insbesondere ich doch ein relativ genaues Bild von unserem zukünftigen Begleiter.
So klickte ich mich immer solange munter durchs Netz bis ich einen schwarzen Hund mit braunen Abzeichen fand. Vor allem, wenn dieser dann noch eher schmal gebaut war und kurzes Fell hatte, blieb ich gerne länger auf den entsprechenden Seiten hängen.

Das Schöne am Internet ist ja, dass man mit ein paar Klicks durchaus schnell fündig wird, wenn man ein festes Bild im Kopf hat. Der Nachteil kristallisierte sich allerdings auch Ruck-Zuck heraus, denn trotz schöner Bilder und oftmals schöner Beschreibungen:

Wie sollten wir einschätzen, ob ein Hund zu uns passt, wenn er hunderte Kilometer ent- fernt in einem Tierheim saß? Ohne die Möglichkeit ihn vorher genauer Kennenzulernen?

Denn mal ehrlich, selbst wenn man vorher einige Male dort war, um sich zu „be- schnuppern“ ist eine Entscheidung für die nächsten hoffentlich mindestens zehn, zwölf Jahre nicht einfach gefällt.

Damit fielen schon einmal alle Tierheime weg, in denen wir aufgrund einer zu großen Entfernung nicht mindestens ein paar Mal die Möglichkeit hatten, mit dem Hund spazieren zu gehen. Denn wer einmal einzieht, zieht nicht mehr aus, das war klar.

Also klickten wir uns, auf der Suche nach dem schwarz-braunen Glück, durch die Tier- heime unserer Umgebung und schrieben uns gleich mehrere Adressen auf, um eine kleine regionale Rundreise zu starten.

Wir starteten etwa 25 km entfernt, in einem etwas kleineren Tierheim.
Schwarz-braun: Fehlanzeige.
Aber da wir uns ja (abgesehen von der Optik, auf die wir ja offiziell eh keinen Wert legen wollten) auf einige grundsätzliche Eigenschaften geeinigt hatten, die zu uns passten, riskierten wir natürlich trotzdem noch ein paar weitere Blicke.

Nachdem wir uns zwei Hunde näher angeschaut und mit den Mitarbeitern gesprochen hatten, beschlossen wir, ein Ründchen mit einem 9 Monate alten Foxterrier-Mischling zu drehen.
Er stellte sich als ziemlich quirliger, eigenständiger Zeitgenosse heraus, der aber durchaus zu uns passen würde.

Direkt danach gingen die Diskussionen im Auto auch schon los:

Ins nächste Tierheim fahren und weiter suchen?
Gleich reservieren, denn er würde ja zu uns passen?
Warum weiterschauen, wenn er eigentlich passt?
Warum nicht weiterschauen, wenn vielleicht noch einer besser zu uns passt?

Wir beschlossen zunächst weiterzufahren, aber auf jeden Fall am nächsten Morgen noch- mal zum Gassi-Gehen zu kommen, denn er war ja toll.

Im nächsten Tierheim war alles etwas unübersichtlicher und es saßen einige Hunde mehr dort. Auch dort vielen uns auf Anhieb zwei, drei Hunde ins Auge, die zu uns passen konnten.

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Unter anderem auch Peppi, ein 2 Jahre alter, strubbeliger kleiner Zeitgenosse – zumindest von vorne. Von hinten betrachtet sah er ziemlich nackt aus, mit kahlen geröteten Beinchen... verdächtig nach Allergiker...
Wer will denn gleich zu Beginn beim Tierarzt starten?

Wir gingen also zu einem Mitarbeiter, um uns Infos über die Hunde einzuholen, die wir so gesehen hatten. Zu guter letzt fragte ich dann auch noch nach Peppi, dem Kromfohrländer- Mischling.

Man sagte uns, er sei angebunden gewesen. Bei ihm fand man nur einen Zettel, auf dem stand, dass er bereits vier Vorbesitzer gehabt haben soll – und das mit zwei Jahren!

Das waren natürlich ziemlich karge Infos, die kaum etwas über ihn aussagten. Sie ließen lediglich die Frage offen, was er denn zu Hause so schlimmes angestellt haben könnte, dass er immer wieder raus geflogen ist?

Wir beschlossen Peppi im Freilauf etwas näher kennen zu lernen.
Er war ein lebendiges kleines Kerlchen, kam völlig offen und freundlich auf uns zu und freute sich sehr, dass er uns zum Spielen animieren konnte.

Wir merkten, dass die Entscheidung durch den zweiten Tierheimbesuch nicht einfacher geworden war. Wieder beschlossen wir, am nächsten Tag noch einmal vorbeizuschauen und Gassi zu gehen.

Wir saßen im Auto, hatten einen Zettel in der Hand, auf dem noch weitere Adressen standen und wussten, dass wir dieses Spiel wahrscheinlich noch ewig weiter treiben konnten. Von einem Tierheim zum nächsten, wir würden immer einen Hund finden, bei dem sich ein zweiter Blick lohnen würde und dem wir eine Chance geben würden.

Wir fuhren also nicht weiter, sondern nach Hause, besprachen die Situation, waren ratlos, besprachen uns mit hundeerfahrenen Freunden, um eine objektive Meinung zu bekommen und mussten letzten Endes doch selbst entscheiden.
Wir schrieben Argumente auf, wir hatten eine schlaflose Nacht und Diskussionen beim Frühstück.

Am nächsten Morgen begannen wir wieder zum ersten Tierheim, um eine weitere Gassi- Runde auf uns wirken zu lassen. Wir waren laufen, gingen dann in den Freilauf und besprachen uns wieder.

Im Nachhinein blieb fast nur noch das Bauchgefühl und vielleicht ein funken Vernunft, der uns sagte, dass wir uns mit dem kleinen Fox-Terrier-Mix vielleicht doch etwas übernehmen würden. Zumindest blieb das Gefühl, das ein neun Monate junger, kleiner Hund mit Sicherheit schnell eine nette Familie finden würde.

Nachmittags ging es dann wieder zu Peppi.

Es regnete in Strömen und wir waren alle patschnass. Peppi zeigte sich eher wasserscheu und war nicht ganz so gut drauf wie am Tag zuvor. Na ja, ist ja auch kein Wunder, wenn man kaum Fell hat und die Kälte einem gleich in die Knochen steigt.

Trotzdem hatten wir das Gefühl, dass das mit uns drei was werden könnte. Wir dachten eigentlich, wir kommen noch ein oder zweimal und verbringen die Nachmittage zusammen, bevor wir eine endgültige Entscheidung fällen. Der Tierheim-Mitarbeiter, mit dem wir vorab schon über Peppi gesprochen hatten, bot uns allerdings an, ihn gleich am übernächsten Tag mitzunehmen.

Wir waren überrascht, aber tief im Inneren, war die Entscheidung schon gefallen, bewusst oder nicht.

Man warnte uns nochmal vor, dass es sicherlich einen Grund gebe, weshalb er so oft sein Zuhause wechseln musste. Es war auch ziemlich wahrscheinlich, dass er durch diese Erfahrung Probleme mit dem Alleinebleiben entwickelt haben könnte.
Zudem wurden wir darauf hingewiesen, dass der kleine Mann dringend kastriert werden sollte, da er ziemlich unter Hormonen stünde. Auch, dass er im neuen Heim vermutlich erstmal fleißig markieren würde.

Am übernächsten Tag durfte schließlich unser neues Familienmitglied „Capper“ (Peppi) bei uns einziehen.

Vorsorglich hatte ich die Sofas abgedeckt, damit er im Fall der Fälle nur die Decken markierte. Außerdem hatte ich alles beiseite geräumt, was er vielleicht im Spiel zerlegen könnte - Er war ja schließlich ein junger Feger, da mussten wir mit einigen Kollateral- schäden rechnen.

Ich kam also mit ihm in die Wohnung, löste die Leine und wartete mit Spannung darauf, dass das Chaos losbrach. Er dagegen lief langsam eine Runde an der Couch vorbei, um den Wohnzimmertisch herum, schnupperte hier und dort und legte sich dann auf den blanken Laminatboden.
Dort blieb er auch erstmal und machte... nichts.

Bis zum Abend (und nach einem kurzen Spaziergang) lag er, alle Viere von sich gestreckt, auf dem Rücken in seinem Körbchen und ließ sich zufrieden den Bauch kraulen. In dieser Haltung schlief er übrigens auch. ;-)

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Der gute Vorsatz, ihn nicht aufs Sofa zu lassen, hielt ungefähr zweieinhalb Tage - macht nichts, auch wenn der Herr jetzt natürlich den gemütlichsten Platz der Couch für sich beansprucht.
Die Decken über den Sofas hätte ich mir sparen können, er machte nicht einmal einen Ansatz, irgendwo sein Beinchen zu heben.

Capper lebt nun seit drei Monaten bei uns und wir würden ihn keine Sekunde mehr missen wollen.

Obwohl er tierärztlich leider noch einiges über sich ergehen lassen musste – Flohbiss- allergie, schwere Ohrenentzündung, Kastration – ist er ein treuer, lieber Weggefährte und ein unverzichtbares Familienmitglied geworden.
Warum dieser Hund im Tierheim gelandet ist, ist für uns bis heute ein Rätsel.

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Dass er an der Leine zeitweise ein kleiner Rüpel ist, hängt wohl einfach noch mit der Unsicherheit zusammen, die ihm nach den vielen Stationen in seinem kurzen Hundeleben geblieben ist. In diesen Situationen kommt er uns aber mit seiner Neugierde und Lernfreude sehr entgegen und lässt sich inzwischen prima ablenken.

Er nimmt alles sehr schnell auf und setzt es noch sehr viel schneller um (und sei es nur, um uns hinterrücks die frisch gebackenen Weihnachtsplätzchen vom Tisch zu mopsen...).

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In der Wohnung ist er ein ziemlich ruhiger Zeitgenosse, spielt gerne (aber gaaanz vorsichtig, bis jetzt musste noch kein Stofftier sterben…) und überrascht mit Kreativität, wenn man selbst mal nicht in Spiellaune ist.

So kann er einem fleißig ein Spielzeug nach dem anderen in die Kniekehlen hauen, weil es ja bestimmt am falschen Spielzeug liegt, wenn mal keiner Lust hat, mitzumachen. ;-)

Inzwischen warten wir nicht mehr jeden Tag darauf, dass er irgendwelche „fürchterlichen Unarten“ aus dem Hut zaubert.

Wir sind unendlich dankbar für unseren kleinen Capper.
Das Glück kann auch weiß-braun und wuschelig sein, oftmals lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen.

Und noch schöner macht dieses Happy-End natürlich, daß auch der junge Foxterrier- Mischling mittlerweile ein schönes Zuhause gefunden hat. :-)

03.12.2014

05.12.2014


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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