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Igor

Mit dem Rottweiler Igor fingen die Probleme schon an, als er ins Tierheim kam.

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Zu diesem Zeitpunkt war er etwa zwei Jahre alt; der Hund wurde dem Besitzer enteignet. Er kam aus einem anderen Bundesland in ein Tierheim in Niedersachsen, damit seine Vermittlungschancen nicht durch die Rassenliste noch geringer werden würde.

Schon in der ersten Woche versuchte er, den Mann der Tierheimleiterin zu beißen.
Kam jemand an seinem Zwinger vorbei, rastete er regelmäßig aus:
Hochspringen, aggressives Bellen und Knurren, Zerfetzen seiner Decken und des Hunde- körbchens usw.

Nur einer der ehrenamtlichen Gassigänger, der jeden Tag mit allen Hunden spazieren geht, traute es sich zu, mit Igor spazieren zu gehen. Denn er war nicht nur bei Fremden äußerst misstrauisch und pöbelte andere Spaziergänger oder Radfahrer an, sondern er hatte auch ein extremes Problem mit anderen Hunden, insbesondere Rüden. Diese wollte er im Feld dann gerne auch mal „plattmachen“.

Reiter waren für ihn besonders schlimm; wahrscheinlich machte ihm die ungeheure Größe der Pferde (plus des Menschen oben drauf) Angst und er wollte sich verteidigen.

Problematisch war auch, dass Igor extrem aggressiv auf kleine Kinder reagierte. Hörte er Kinder im Vorraum des Tierheims lärmen, rannte er wie besessen in seinem Zwinger hin und her und hatte Schaum vor dem Maul.

Vor Igor hatten ziemlich viele Besucher (und leider auch Mitarbeiter des Tierheims) schnell Angst, da er als Rotti natürlich sowieso erstmal als böse galt. Eine Vermittlung war zu diesem Zeitpunkt so gut wie aussichtslos – denn wer nimmt einen Hund, der anscheinend mit nichts und niemandem klar kommt?
Igors einzige Freundin war die Rotti-Mischlingshündin Ellie, mit der er sich sehr gut verstand und im Auslauf toben konnte. Da Ellie aber eine Angsthündin war und panisch die Flucht ergriff, wenn sie einen Menschen zu Gesicht bekam, konnte man die Freundschaft der beiden nicht dazu nutzen, Igor zu zeigen, dass er zu Menschen freundlich sein kann.
Die Leiterin des Tierheims war sich sicher, mit Igor einen extremen Langzeitinsassen im Tierheim sitzen zu haben.

Igors Schicksal änderte sich jedoch, als ein Mann, der eine Umschulung zum Hundetrainer begonnen hatte, im Tierheim ein vierwöchiges Praktikum absolvierte. Dieser Mann hatte zu Hause selbst zwei Rottweiler und ließ sich daher von den Geschichten der Mitarbeiter, die Igor nicht mochten, nicht irritieren. Also ging er auch mit Igor Gassi und versuchte, dem Hund beizubringen, dass man nicht jeden fressen muss, der einem entgegenkommt.

In dieser Zeit hatte auch gerade Inga*, eine Studentin, angefangen, ehrenamtlich im Tierheim zu arbeiten.

Da sie Rottweiler sowieso schon immer toll fand, hatte sie keine Vorurteile gegenüber Igor. Als sie dann mit dem Praktikanten ins Gespräch kam, schwärmte er ihr vor, wie sehr sich Igors Verhalten ihm gegenüber in den zwei Wochen, die er schon da war, verbessert hatte. Auch nach Ende seines Praktikums kam er regelmäßig ins Tierheim, um mit Igor Gassi zu gehen.

Inga hatte Igor dann schnell ins Herz geschlossen, als sie den Hund und den Praktikanten auf deren Spaziergängen begleitete. Ohne vorher mit schwierigen Hunden gearbeitet zu haben, entschloss sie sich, Igor wieder „vermittlungstauglich“ zu machen.

Diese Arbeit war nicht leicht und es gab immer wieder fiese Rückschläge:
Beispielsweise hatte sich Igors Verhalten an der Leine schon stark gebessert und er ignorierte die meisten Fußgänger und Radfahrer. Ab und zu musste man ihn noch mit Leckerchen ablenken, aber er wollte sich nicht mehr wie ein Irrer auf Fremde stürzen.

Mit Leckerchen war auch das Vorbeigehen an anderen Hunden irgendwann kein Problem mehr. Allerdings gab es dann hin und wieder Situationen, in denen sich die junge Frau zu sehr auf die bisherigen Erfolge verließ und nicht aufmerksam genug war, schon wollte Igor wieder auf den anderen Hund losgehen.

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Eine Zeit lang hatte er auch immer wieder versucht, Inga in den Ärmel zu beißen. Dies war vor allem der Fall, wenn sie sich zu ihm gesetzt hatte und dann schnell aufstand.

Sie und die Tierheimleiterin vermuteten daraufhin, dass Igor wohl vielleicht von seinem Vorbesitzer dazu abgerichtet werden sollte, Menschen zu stellen. Denn Igor biss zwar sehr heftig in die Jackenärmel, wodurch eine Jacke auch kaputt ging, doch er schien immer darum bemüht zu sein, Inga nicht zu verletzen.

Diese Rückschläge wurden dann auch noch verschlimmert, als Igor zwei Mal von einem anderen Insassen des Tierheims angegriffen wurde, denn zu dieser Zeit gab es dort mehrere Hunde, die nicht mit Artgenossen klarkamen. Das eine Mal war es so schlimm, dass Igor eine tiefe Wunde am Ohr davontrug und genäht werden musste.

Bisher war er, wenn Inga mit ihm zum Tierarzt gefahren war, dort relativ entspannt und freundlich gewesen, doch als die Tierärztin nun sein verletztes Ohr untersuchen wollte, wehrte er sich so extrem dagegen, dass er nur unter Narkose untersucht und genäht werden konnte.

Nach diesen Vorfällen musste Inga beide Male erneut von vorn anfangen, was Igors Verhalten gegenüber anderen Hunden beim Spaziergang anging. Besonders wenn er die beiden Hunde, mit denen er gekämpft hatte, traf, war allergrößte Vorsicht geboten.

Aber nach und nach wurden die Spaziergänge mit Igor immer entspannter und die junge Frau ließ ihn auch an einer langen Schleppleine laufen. Sie fuhr mit ihm ab und zu in andere Gegenden, damit er nicht immer nur die gleichen Wege entlanglaufen musste; auch den Kanal fand er toll.

Weil er sich so gebessert hatte und er ja auch gut mit Ellie klar kam, probierte sie dann ab und zu aus, mit einer zweiten Person rauszugehen, die eine Hündin aus dem Tierheim an der Leine hatte. Igors Reaktion war dann immer wunderbar: Entweder interessierte er sich gar nicht für die Hundedame oder er wollte mit ihr spielen! Dass das an der Leine mal möglich sein wird, hätte anfangs keiner gedacht.

Nun war schon etwa ein Jahr vergangen, seitdem der Praktikant und Inga angefangen hatten, mit Igor zu trainieren. Die junge Frau nahm Igor sogar ein Mal mit an die Ostsee, als sie und ihr Freund dort für ein Wochenende Urlaub machten. Dort benahm er sich tadellos und hatte richtig Spaß, am Meer spazieren zu gehen.

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In dieser ganzen Zeit gab es aber keine Interessenten für Igor; jedenfalls keine, denen man diesen Hund ohne Bauchschmerzen überlassen hätte.

Doch etwa zu genau der Zeit, als Igor schon ein Jahr lang „trainiert“ wurde, hatte seine Freundin Ellie eine Interessentin gefunden, die bei dieser Angsthündin sehr hartnäckig war und viel Zeit in den Hund investierte, sodass Ellie wohl auch bald ausziehen konnte. Diese Dame erzählte Freunden von sich, die vor einiger Zeit ihren Rottweiler einschläfern lassen mussten, von Ellies tollem Freund Igor und dass er ja für das Ehepaar wie geschaffen wäre.

Obwohl die beiden eigentlich den Verlust ihres alten Rottis noch nicht so ganz verkraftet hatten, beschlossen sie, sich Igor wenigstens mal anzuschauen.

Seine Reaktion war überdeutlich: Wie immer tobte er wie ein Irrer in seinem Zwinger, als die beiden davorstanden. Denn diese „Unart“ hatte man ihm leider noch nicht abgewöhnen können, da er den Zwinger ja als sein Zuhause betrachtete und es ihn anscheinend wütend machte, wenn es „Eindringlinge“ gab. Da der Rottweiler ja aber auch als Schutzhund gezüchtet wurde, ist seine Reaktion eigentlich auch verständlich.

Das Ehepaar ließ sich von Igors anfänglicher Abneigung zum Glück nicht abschrecken und wollte dann auch mit ihm Gassi gehen. Anfangs begleiteten sie nur Inga auf ihren Runden mit dem Hund, da das Tierheim bei der Vermittlung von Hunden wie Igor natürlich nicht einfach Fremde mit dem Tier losschickt.
Zudem sollte sie die Interessenten natürlich auch „aushorchen“, ob sie überhaupt für diesen Hund geeignet sind bzw. es schaffen werden, ihn weiterhin zu erziehen. Denn Igor war schließlich absolut kein Anfängerhund.

Glücklicherweise stellte sich aber bald heraus, dass die beiden zuverlässig sind und auch genügend Rotti-Erfahrung mitbrachten, um mit Igor klarzukommen. Am 01.01.2016 zog er dann endlich aus dem Tierheim aus – einen Tag vor seiner Freundin Ellie.

Igor ist also nun schon seit fast genau einem Jahr in seinem neuen Zuhause und dort geht es ihm richtig gut.

Ab und zu kommt es noch vor, dass er wie im Tierheim seine „fünf Minuten“ bekommt und versucht, etwas kaputt zu machen, aber mehr als ein Geschirrtuch oder eine andere Kleinigkeit ist ihm bisher nicht „zum Opfer“ geworden.

Für den hübschen Rotti-Herren hat also alles noch mal ein gutes Ende gefunden – wer weiß, was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht in diesem Tierheim aufgenommen worden wäre!

* Name von der Redaktion geändert

13.12.2016

15.12.2016


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