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Rona

17.06.2006

Wenn ich im Garten bin, breche ich gerne mal zu Fototouren mit dem Fahrrad auf. Diesmal musste ich meine neue Kamera ausprobieren, weil ich die noch nicht vollständig beherrsche sind die Dateien sehr groß, habt Verständnis.

Jedenfalls fahre ich so vor mich hin, knipse hier und da. Dann blüht ein Feld vor Kornblumen ganz blau, sieht ja wirklich gut aus. Ich mache also Fotos von allen Seiten und fahre weiter.

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Ich war an den Stellen noch nie zuvor. Fahre über einen Bahnübergang und drehe mich kurz nach hinten, na gut, das blaue Feld auch von hier nochmal.

Dann falle ich auf einmal fast in eine Grube, die ist da einfach so mitten auf der Wiese. 80 x 80 cm und 2 m tief, völlig unbrauchbar für nichts und niemand, was es nicht alles gibt.

Vorsichtig schaue ich über den Rand um zu sehen was das ist. Unten liegt Fell und oben kreisen Fliegen, Klasse, hat die Grube schon ein Opfer gefordert.

Plötzlich bewegt sich das Fell und 2 große Augen flehen mich an

BITTE HILF MIR!

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Da ich ihn da unmöglich selber rausholen konnte gab es nur eine Lösung:

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Nach 31 Minuten (!) kam die Feuerwehr...

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...konnte aber auch nichts ausrichten. Na wenigstens haben sie JJ2 Wasser hinunter gelassen. Aus der Schale schwappte was raus beim Herablassen, gierig schleckte JJ2 die nasse dreckige Wand ab bis die Schale endlich in Reichweite war. So viel habe ich noch nie einen Hund trinken sehen.

Nach nochmal fast einer Stunde kam dann eine Tierärztin im Ambulanzwagen, sie war ungünstig eingeteilt an diesem Tag und stand dann noch im Stau.

JJ2 bekam die berühmte Fangleine um und eine Leiter verstärkte die Enge. JJ2 war absolut ruhig.

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In der Zwischenzeit, nach 1,5 Stunden (!) kam dann mal jemand von der Bahn vorbeischauen. Das Stellwerk war in Sichtweite. Man könnte ja mal stutzig werden wenn man aus dem Fenster einen Feuerwehreinsatz auf dem unbeschrankten Bahnübergang auf dem eigenen Gelände beobachtet.

2 Züge sind ungebremst und ohne Signal an uns vorbei gesaust, Meldung machen war da nicht drin. Die Bahn hat sich nicht mit Ruhm bekleckert.

Dann war der Moment gekommen JJ2 aus der Grube zu heben. Jeder wollte wohl mal Held sein und die entscheidene Leine halten. So ein Gedränge.

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Ab jetzt gehts wieder aufwärts im wahrsten Sinne des Wortes.

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Endlich, nach Tagen wieder am Licht.

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Jetzt will jeder JJ2 streicheln. JJ2 ist eine Altdeutsche Schäferhunddame die schon in die Jahre gekommen ist. Wie man sieht kann sie noch stehen und laufen.

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Zottelig ist sie.

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Nur mir blieb keine Zeit zum streicheln. Ich war mit fotografieren beschäftigt, als ich sie dann streicheln wollte wurde sie mir weggezogen und gleich verladen.

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Den Einsatz muss die Bahn zahlen, weil sie ihre Anlagen nicht in Ordnung hält. Die Grube ist die alte Wassergrube von einem Schrankenwärterhäuschen was hier mal stand. Das Haus hat man weggerissen und die Grube vergessen. Der Holzdeckel ist weggefault und fertig ist die Bärenfalle. Die Grube ist in keinem Plan verzeichnet.

20.06.2006

Happyend!!

Ich habe gerade eine Mail vom Tierheim bekommen:

Die Hündin wurde bereits eine Woche vermisst und konnte kurz nach ihrer Ankunft im Tierheim an den Eigentümer zurückgegeben werden. Die Freude war natürlich sehr groß.

Eine Woche war sie da unten und das bei bis zu 35 Grad täglich, unvorstellbar. Sie wäre wahrscheinlich kurz danach elendig verreckt...

....

Gerade eben hat der Besitzer von JJ2 bei mir angerufen. Er hat die ganze Zeit versucht, meine Telefonnummer rauszubekommen.

JJ2 heiß Rona, ist 11 Jahre alt und gechipt. Dass sie von alleine abgehauen ist, hält er für unmöglich. Sie wurde 9 Tage vermisst. Die wohnt gleich neben dem Erdloch, deshalb hatte der Besitzer auch dort schon nachgesehen, sie fiel aber erst später rein. Der Besitzer vermutet aber, dass sie entführt und dann dort reingeworfen wurde. Die Bahn hatte auch in der Zeit das Gras gemäht, da war sie auch noch nicht im Loch.
Es bleiben also noch Fragen offen.

Am Sonnabend fahre ich sie besuchen und werde sie noch einmal etwas vorteilhafter fotografieren.

Ihre Familie konnte die ganze Zeit nicht mehr ruhig schlafen, alle Gedanken kreisten um ihr Hund-Kind. Die Freude ist wirklich groß.

Leider kam auch gleich mit der Rückkehrerin eine böse Rechnung über den Einsatz ins Haus geflattert, das klären wir noch!

Da fragt man doch nach dem Verursacherprinzip. Wenn ein Reh da rein gefallen wäre, wäre ja z. B. kein Halter da. Vermutlich stolpert die Familie jetzt aber über die Rechnungen vom Tierheim und den Noteinsatz der Tierärztin. Ich klär das noch.

Gruseln tut aber auch der Gedanke, dass Herrchen seinen toten Hund vermutlich irgendwann selber in der Grube gefunden hätte. Im gehört übrigens das schöne blaue Feld weshalb ich extra angehalten hatte. Sein Gelände wird von der Bahn geteilt und er hatte auch schon selber dort nachgesehen, da war sie aber noch nicht drin.

25.06.2006

Nach mehreren Portionen Babyshampoo mit Gartenschlauch ist nun ihr Fell wieder kuschelig. Sie war insgesamt 9 Tage vermisst. Sie verschwand über Nacht aus dem Garten. Ein befreundeter Hund wurde auf ihre Fährte gesetzt, die Spur endete dort wo eine Reifenspur begann.

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Dass sie nicht verletzt ist widerspricht eigentlich auch jedem Naturgesetz. Da sie nicht sprechen kann, wird das wohl nie geklärt werden können.

Die Bahn hält sich vornehm zurück, sämtliche Rechnungen gingen an die Hundehalter. Das Loch ist jetzt mit einer Europalette abgedeckt. Das Loch befindet sich ja unmittelbar neben dem Grundstück, doch die Leute kannten es vorher nicht, so versteckt war es. Nur die von der Bahn kannten es und haben es wohl als naturgegeben hingenommen und immer fein drumrum gemäht...


Mit freundlicher Genehmigung von Silke Wenk, bei der das Copyright von Text und Bildern liegt, sowie der Feuerwehr Werneuchen

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