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Esperanza

Hoffnung auf 4 Pfoten

Los Angeles, USA

Es war ein kühler Aprilmorgen. Ich kam als erste mit Schlüssel am Bürogelände an.
Zwei Lagerarbeiter warteten schon auf Einlass.

Und neben ihnen – ein großer Hund.

Ein Wrack.
Die Fellfarbe war nur noch zu erraten – denn es war größtenteils weg. Es war wohl mal schwarz gewesen, mit so roten Punkten – à la Rottweiler...

Ich liebe Hunde – aber habe eine gehörige Portion Respekt vor großen Streunern.

Das Tor wurde geöffnet.

Hund trabte rein. Folgte mir. Was nun?

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Die Lagerarbeiter gingen zum Lager. Ich ins Bürogebäude, mit großem Streuner im Schlepptau. Rein in mein Büro. Streuner platzierte sich unter meinem Schreibtisch, als wäre das schon immer ihr Platz gewesen...

Ich schaute näher – ein wandernder Flohzirkus lag da; ihre Augen entzündet und verklebt. Abschürfungen am Hals und am Popo...

Was tun mit ihr?
Wir hatten schon einen Hund...

Klopfen an der Tür: ‚Animal control is here about the dog.‘
Der Hundefänger war dem Wrack gefolgt, denn sie war von irgendwem gemeldet worden. Ich ging raus, das Wrack folgte.

Alle Versuche der Hundefängerin, das Wrack einzusammeln, schlugen fehl. Sämtliche Tricks in ihrem Repertoire – erfolglos. Das Wrack blieb an meiner Seite.

„Sie kennen diesen Hund wirklich nicht, denn sowas habe ich noch nie erlebt??!! Sofort 100% Vertrauen, Wow!!“ saagte die Hundefängerin.

„Nein, der Hund ist mir total unbekannt - und Gott sei Dan habe ich gerade telefonisch eine Zusage bekommen, dass eine renommierte Rottweiler-Rettung sie nimmt, denn wir haben schon einen Hund.“

Somit konnte die Hundefängerin die Sache (erleichtert) abhaken (und ließ mir netterweise eine behelfsmäßige Slip-Leine und etwas Hundefutter da). Als sie in ihren Truck einstieg, fragte ich sie, was passiert wäre, wenn sie das Wrack eingefangen hätte... Ihre Antwort spiegelte die traurige Realität vieler Streuner in L.A. wieder:  ‚Sie wäre eingeschläfert worden – unser TH hat nicht die Ressourcen, solche Hunde aufzupäppeln...‘

Retour ins Büro – natürlich mit Wrack...

Licht am Ende des Tunnels – nur zwei Tage bis die Rottweiler Rescue das Wrack von uns zu Hause abholen würde...

Nächste Ziele: Das Wrack brauchte einen Namen, und ich musste es ins Auto bekommen.

Ziel Nummer 1 war schnell erreicht – mit Hilfe einer Kollegin entschied ich mich für ‚Esperanza‘ – Spanisch für ‚Hoffnung‘... Denn es gab Hoffnung für diese Hündin, dass ihr Leben sicher war und die Zukunft besser wird.

Ziel Nummer 2 erwies sich etwas problematischer – Die frisch Esperanza getaufte Hündin stand neben der offenen Tür am Wagen und... blieb dort stehen. Zeit, kreativ zu werden.
Her mit dem Trockenfutter vom Hundefänger... Ich legte einen ‚Pfad‘ damit, bis auf die Rückbank des Autos... Und voila -  Esperanza folgte dem Pfad und lag auf der Rückbank!

Und ich auch rein, Motor an...
In meinem Kopf kreisten einige Gedanken à la: ‚Was mach ich, wenn Esperanza beim Fahren ausflippt; das könnte bös ausgehen??‘

Aber es musste sein – im Radio eine ganz sanfte Musik eingestellt – nicht der richtige Zeitpunkt für Beethoven oder Hip-Hop.

Los gings.
Esperanza lag entspannt hinter mir und schaute mit ihren verklebten Augen durch das Seitenfenster und hörte zu, wie die etwas nervenbündelige Fahrerin ihr erzählte, dass sie jetzt in ihr Impromptu Übergangszuhause kommt, mit einem Herrchen und einem Hund, zwei Katzen, großem Garten.

Und in zwei Tagen würde dann die nette Dame von der Rettung kommen und Dich holen, aber wir sollten vorher unbedingt zum TA, und Futter haben wir genug, und Göttergatte hat schon ein neues Lager für Dich improvisiert, weiche Decken, und unser Hund ist sehr nett, aber die Katzen darfst Du nicht fressen... und, und...

Angekommen.
Rein in die Einfahrt zum Haus. Göttergatte war informiert und stand da, machte das Tor zum Garten auf. Luft anhalten, aussteigen. Da Esperanza die Slip-Leine nicht akzeptierte, war sie leinenlos.

Stoßgebet: Folge mir, renn bitte nicht auf die Straße... Und sie folgte, als wär sie schon hundertmal dort gewesen... trabte in den Garten.

Göttergattes Kommentar beim Anblick der Hoffnung auf vier Beinen: ‚Mein Gott, was ist das?‘

Eine arme Streunerin, die nur noch auf eine bessere Zukunft hofft...

Nun ging es flott, denn Hund Nr. 1, Madeleine, saß an der Tür zum Garten – gesichert (sozusagen) hinter dem Fliegendraht. Was würde sie tun?

Das war ihr Zuhause – noch nie war ein anderer Hund in ihrem Heim gewesen... Auch wenn das Wrack nicht 100% gesund war, so war sie doch bei weitem grösser und hatte wohl irgendwie auf den rauen Straßen überlebt... und Madeleine war eine APBT (American Pitbull Terrier) Mischung – wer weiss... Wir machen die Tür auf und es kommt zu einer blutigen Rauferei?

Göttergatte stand bereit, als ich die Fliegengittertür aufmachte – Madeleine ging ruhig die paar Stufen in den Garten runter... und...

Nichts - Man beschnupperte sich höflich – keine Rauferei, keine Schlacht.
Die Zusammenführung, die so sehr unkonventionell gemacht wurde, verlief friedlich wie ein Kirchenkaffeekränzchen.

Aufatmen.

Später stellte sich dann heraus, dass Esperanza bei Spaziergängen nicht begeistert über andere Hunde war, aber das bekamen wir (und sie) mit der Zeit in den Griff. Esperanza hatte alles Griff – und drum bekam sie Kosenamen: The Sheriff und Frau Müller ��

Und als die Rottweiler-Rettungsdame dann zwei Tage später kam, weigerte sich Esperanza, auch nur in ihre Nähe zu gehen. Esperanza blieb an meiner Seite.

Rottweiler-Rettungsdame lachte und sagte: ‚Ich glaube, sie hat ihr Zuhause gefunden!‘

Und so begannen zwölf Jahre mit Esperanza – my heart dog, mein Herzenshund.
Vertrauen vom ersten Moment an – never a doubt.

Du hast gern ‚gearbeitet‘ – Ohne Beschäftigung gab es oft neue Kreationen im Haus.

Ich glaube, Du hast auch Deine Kindheit nochmal erlebt und hast Dich ausgetobt, aber auch gelernt, friedlich mit unseren Katzen zu leben – Besonders die winzige Cecilia hast Du ‚bemuttert‘ und sanft ihr kleines Katzengesicht geputzt.

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Nun bist Du auch schon über die Regenbogenbrücke gegangen, aber noch heute danke ich dem Schicksal, dass Du damals am Tor standst.

Du warst ein ganz besonderer Hund – intuitiv, souverän und liebevoll.

Danke, dass Du mir damals vertraut hast, Esperanza.

22.12.2018

24.12.2018


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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