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Pulce

Sie soll 12 Jahre alt sein, und sie saß seit „ewig“ im italienischen Tierheim, will sagen, niemand wusste mehr, weit wann. Ewig halt. Jahrelang galt sie, wie auch ihre Schwester, als nicht vermittelbar, weil sie sich nicht anfassen ließen. Pulce schnappte dann schon mal um sich, hieß es.

In letzter Zeit aber hatte es Bemühungen um die beiden Oldies gegeben, mit dem Erfolg, dass sie sich nun, wenn auch mit deutlichen Anzeichen von Unbehagen, vorsichtig streicheln ließen, und so kamen sie in die Vermittlung.
Ihr Blick auf den Vermittlungsfotos ging mir ans Herz.

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Der Vermittlerin lag allerdings am Herzen, dass keine der beiden Schwestern allein im Tierheim zurückbleiben sollte. Und während ich deswegen noch unschlüssig war, meldete sich eine weitere Interessentin für eines der beiden alten Mädchen, und da war es klar: wenn diese Interessentin eine nimmt, nehme ich die andere. Vorzugsweise Pulce. Und so kam es.

Noch bevor Pulce zu mir reisen konnte, erfuhr ich, dass ihre schon zwei Wochen früher eingereiste Schwester sich erstaunlich gut einlebte, und natürlich begann ich zu hoffen, das könne auch bei Pulce so sein. Umso freudiger meine Erwartung.
Tja.

Am Flughafen, am Ankunftsterminal, wurden ich recht unsanft aus meinen rosaroten Träumen ge- rissen: eine dauerkläffende Pulce wurde uns übergeben, die noch dazu durchdringend nach Urin stank. Ach du Schreck!
Das Kläffen erledigte sich in dem Moment, als ich daheim auf unserer Terrasse die Flugbox öffnete und sie heraus ließ. Puh! Doch keinen Dauerkläffer erwischt!

Das zweite Problem, der Uringestank, löste sich allerdings nicht in Wohlgefallen auf. Obwohl mein Mann sofort alle Fenster auf riss, war es nicht auszuhalten. Und ihr Anblick erklärte den Gestank. Sie hatte sich nicht nur mal eben während der stressigen Flugreise eingenässt, das Problem war älter. Sie war „hinten herum“ uringetränkt und verfilzt. Eine Runde duschen und Haare schneiden war angesagt. Sofort.
Natürlich war das der pure Stress für sie, und auch für mich nicht die reine Freude, aber die positive Erkenntnis dabei war, dass Pulce eine ausgeprägte Beisshemmung hat. Sie war ein wenig panisch, versuchte zu fliehen, aber nie, nicht ansatzweise, zu beißen.

Ich musste sie in den nächsten Tagen noch mehrfach behelligen, um ihr das Sicher- heitsgeschirr anzupassen und weitere Filzplatten auszuschneiden, und nie wehrte sie sich, deutete es höchstens mal an. Aber natürlich förderten diese Aktionen nicht ihr Vertrauen in mich. Und das ist leider bis heute, vier Wochen später, einigermaßen beschränkt.

Anders als ihre Schwester erweist sich Pulce tatsächlich als recht menschenscheu und misstrauisch. Aber sie macht Fortschritte.

An den ersten beiden Tagen bezog sie ihr Quartier im Gartenzimmer, wo wir uns um diese Jahreszeit praktisch nicht aufhalten. Am dritten Tag kam sie ins Wohnzimmer und fand ihren neuen Stammplatz direkt neben dem Schreibtisch, wo oft jemand sitzt. Wieder zwei Tage später fand sie sich auch in der Küche ein, wenn wir dort waren.

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Sie sucht also inzwischen durchaus unsere Nähe, aber was sie nach wie vor nicht braucht, sind Berührungen. Es kommt vor, dass sie sich streicheln oder kraulen lässt, aber es ist immer noch die Ausnahme, und dass sie es genießt, kann man bis heute nicht sagen.

Spaziergänge kannte sie nicht. Die Leine, das angebunden sein, löste Fluchtreflexe aus. Umweltängste kamen dazu. Gegen Ende der ersten Woche ging ich drei Tage lang mit ihr an der Schleppleine raus, und täglich kamen wir weiter und sie folgte mir besser. Aber das war wohl zu früh. Sie wollte es nicht, und sie hatte noch kein Vertrauen zu mir, um ihre Ängste abzufangen. Sie begann mich wieder verstärkt zu meiden, immer auf der Hut, ich könnte sie wieder anleinen wollen, und so stellte ich dieses Projekt zurück.

Den Garten betrachtet sie inzwischen offensichtlich als ihr Revier, das sie auch bewacht. Sie bellt am Zaun, wenn sich auf der anderen Seite was rührt. Und im Garten kann sie sich stundenlang aufhalten, wenn man sie lässt.

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Auch zwischen den Hunden entwickelte sich ganz langsam so was wie Kontakt. Anfangs ignorierte Pulce die beiden Großen völlig und versuchte sich von ihnen fern zu halten, jetzt geht man entspannt miteinander um und begüßt sich schon mal, geht auch gemeinsam aus und (seltener) ein. Freunde werden sie vielleicht nicht, aber sie leben jetzt immerhin entspannt zusammen.

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Uns gegenüber verhält sie sich im Garten, anders als im Haus, immer noch scheu und hält Abstand. Und in ihrer zweiten Woche hier entwickelte sie die Marotte, nicht wieder ins Haus gehen zu wollen, wenn sie im Garten war. Oft stand sie unschlüssig auf der Terrasse oder drehte in der Tür wieder ab.

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Das gab sich wieder, flackert aber bis jetzt immer mal wieder auf. Manchmal lässt sie sich durch den halben Garten heran und herein rufen, manchmal steht sie vor der Tür, und wenn man öffnet, dreht sie ab. Tagesformabhängig oder so.

Dieses nicht hinein wollen hat übrigens nichts damit zu tun, dass sie sich im Haus nicht wohl fühlt. Erst mal drinnen, entspannte sie sich eigentlich immer schnell.

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Eine weitere stressige Sache war, dass sie im Wesentlichen nachtaktiv war. Wenn sie nachts raus wollte, gab sie keine Ruhe. Man kam nicht wirklich umhin, sie hinaus zu lassen; sie „randalierte“. In manchen Nächten wollte sie mehrmals hinaus, und gegen Morgen drehte sie vollends auf. Draußen lassen konnte man sie aber auch nicht, denn irgendwann bellte und heulte sie. Sie ließ sich dann schon mal herein rufen, nur um wenige Minuten später wieder an der Tür zu stehen und hinaus zu wollen.

Tagsüber schlief sie dafür dann regelmäßig so 10 Stunden durch.

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Auf die Dauer war das nix. Also beschloss ich etwa Mitte der vierten Woche, dass sie nun die Hundespaziergänge mitmachen muss, um tagsüber aktiv zu werden.

Das gestaltete sich erst recht stressig, weil sie sich partout nicht anleinen lassen wollte. Ich musste sie dafür regelrecht einfangen. Am dritten Tag begann sie aber sichtlich, die Spaziergänge zu genießen, und dann dauerte es nicht lange, bis sie verknüpfte, dass anleinen und spazieren gehen zusammen gehören. Man sah förmlich, wie sie mit sich kämpfte, während die anderen Hunde bei der Tür standen und ihre Halsbänder an bekamen.

Und am Abend des vierten Tages war es so weit: sie stellte sich dazu und ließ sich anleinen. Der Groschen war gefallen. Das war exakt 4 Wochen nach ihrer Ankunft.

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Parallel dazu fing ich an, im Wohnzimmer zu schlafen, und das hatte wirklich den erhofften Effekt, dass sie zur Ruhe kam und quasi durchschlief. Dafür ist sie jetzt tagsüber aktiv und will öfter mal in den Garten. Die eine oder andere Stunde kommt da am Tag schon zusammen. Was dann wiederum hilft, dass sie nachts schläft, denke ich.

Jetzt haben wir also nach vier Wochen immerhin schon einen Hund, der gern mit uns spazieren geht und uns nachts schlafen lässt, womit die gröbsten Baustellen behoben sind.

Wenn sie jetzt noch lernen würde, dass es schön ist, geknuddelt zu werden...

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11.12.2015

13.12.2015


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