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Marek & Minni

Vorsicht - Keine Geschichte für sehr empfindliche Gemüter!

Marek und Minni – eine Wunderbare Geschichte mit Happy End

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In meinem Nachbarort gibt es ein großes, weltweit bekanntes Stahlwerk.
In diesem Werk gibt es schon seit jeher eine große, wildlebende Katzengruppe. Eine Frau hat ihr Leben diesen Stahlwerkskatzen gewidmet und seit Jahrzehnten fängt sie dort die noch unkastrierten Katzen ein und setzt sie kastriert wieder zurück. So auch Marek.

Als Jungtier wurde er von seiner Mutter mit zur Futterstelle gebracht. Die Frau fing ihn ein, ließ ihn kastrieren und, da er sehr scheu war, setzte sie ihn wieder zurück. Soweit eine ganz normale Geschichte. Doch ein Jahr später passierte das Furchtbare und Unfassbare:

Marek geriet in eine der Maschinen und ihm wurden 3 Beine oberhalb der Knie abgetrennt.

Doch statt vor Schmerzen wimmernd liegen zu bleiben reagierte er so, wie es ein echter wilder Kater im Fall des Falles tut: Er flüchtete!

Auf seinen blutenden Stümpfen kam er zur Futterstelle gehumpelt und verkroch sich in dem dort vorhandenen verlassenen Fuchsbau.

Die Fütterfrau wusste nicht, was sie tun sollte, wie sie an ich rankommen sollte. Sie kannte niemand, der ihr helfen konnte und so stellte sie einfach Futter in den Fuchsbau und hoffte. Und das Unglaubliche geschah:

Marek überlebte!
Die Wunden heilten ab, und er kroch aus dem Fuchsbau heraus und lief nun auf den Stümpfen durch sein Revier.

Der guten Frau war klar, dass er dort so nicht auf Dauer überleben konnte, und so suchte sie sich endlich Hilfe – und landete schließlich auf Umwegen bei mir.

Ich mache Pflegestelle für Katzen in Not und bin auf die Zähmung von scheuen Katzen spezialisiert. Als ich von Marek erfuhr sagte ich sofort zu ihn aufzunehmen.

Mithilfe einer selbstgebauten extrem geräumigen Spezialfalle, die ich mir von einer Profifängerin auslieh, konnten wir ihn nach einigen Wochen Anfüttern und schließlich Einfangen. Zwischen Unfall und Einfangen war mittlerweile über ein dreiviertel Jahr vergangen, in der er draußen so unterwegs war.

Ich war sehr gespannt was mich erwarten würde, und als ich ihn sah erschrak ich in jeder Hinsicht. Zu sehen wie kurz seine „Beine“ sind, wie er „läuft“, das war schon heftig...

Aber statt dass er traurig rumsitzt, interessiert ihn das überhaupt nicht, dass er keine richtigen Beine mehr hat, und lebt sein Leben wie bisher einfach weiter.

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Meine erste Lektion war:
Der ist kein behindertes Hascherl, der nur rumsitzt, der kann unglaublich schnell sein! So schnell, dass er mir fast aus dem Quarantänehäuschen entwischt wäre:

Ich stand in der offenen Tür, schaute ihn an, er sah mich, sah die Lücke zwischen mir und dem Türrahmen und schoß wie eine Kanonenkugel los, an mir vorbei und hing dann in dem für solche Fälle gedachten Windfangnetz!

Ups!
Der war nicht einen Deut langsamer als jedes Vierbeinige Wildchen...

Wenn er schnell sein will, dann haut er seine hinteren Stümpfe mit aller Macht nach unten weg, dadurch wird der Hintern hochgehievt und er kann so richtig galoppieren!

Wenn er langsam unterwegs ist, dann läuft er ganz normal auf den Stümpfen, als wären es normale Beine. Dafür senkt er sein ganzes linkes Vorderbein auf Höhe des vorderen rechten Stumpfes ab, stützt sich so vorne gut ab und trippelt dann mit den kurzen Hinterstümpfen vorwärts. Das sieht seltsam aus, aber er ist erstaunlich flink dabei.

Das Problem dieser Fortbewegung erkannte ich dann schnell, als ich mir seine Stümpfe ansah:
Durch die extreme Belastung werden die Stümpfe wund bzw. platzen auf, wenn er auf hartem Untergrund unterwegs ist. Deshalb benötigt er Teppich als Untergrund, dann bleiben die Stümpfe heil, da es die Belastung abfedert. Und so stattete ich meinen Katzenraum extra für ihn mit Teppich aus.

Ich fuhr mit ihm dann zu einem Spezialisten, um zu schauen, ob man ihm irgendwie helfen könnte. Vielleicht könnte man ja Prothesen für ihn anfertigen oder ihm anders helfen?

Doch der Arzt erklärte mir sehr eindrucksvoll, dass das bei ihm nicht möglich ist.
Ernüchtert fuhr ich zurück und setzte ihn zurück in den Raum – wo er selbstzufrieden zum Futter spazierte als sei es das Normalste der Welt, dann ins Klo hüpfte und scharrte – wie jede normale Katze.

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Und da erkannte ich, dass er normal ist; dass er perfekt ist, so wie er ist.

Er sieht sich selbst weder als behindert noch als anders, er ist mit sich im Reinen – warum sind wir es nicht?

Warum wollen wir ihn „ganz“ machen?

Er ist ganz – ganz und perfekt – eben nur „tiefergelegt“.
Und die Aufgabe als sein Mensch ist es, ihm das Umfeld so zu gestalten, dass er eben er selbst sein kann und trotz seiner „Tieferlegung“ sein Leben so leben kann wie er will.

Mit der Zeit ist er immer zugänglicher geworden, freut sich auf seine Leckerlies, wenn ich ankomme, und spielt auch gern mit mir mit einer Federangel. Auch ein vorsichtiges Streicheln ist möglich, wenn er in Stimmung ist – alles wie bei einer normalen Zähmung einer bis dato wildlebenden Katze.

Ich habe mich auch an seinen Anblick gewöhnt; es ist zur Normalität geworden, und ich sehe ihn nicht mehr anders an als jede andere meiner Zähmungskatzen.

Und so versuche ich den richtigen Menschen für ihn zu finden, der eben genau das auch versteht und ihn so lieben kann, wie er ist, und ihn nicht verändern will – weder körperlich noch seelisch, denn in seinem Verhalten ist er nach wie vor der eigenständige Charakterkater, der einen Streuner eben ausmacht.

Sie lassen sich durchaus auf die Menschen ein, suchen durchaus deren Nähe und werden zahm – aber sie lassen nicht über sich bestimmen, hassen es, wenn sie nicht selbst entscheiden können was sie wann und wie machen.

Marek ist eigenständig und selbstbestimmt.
Doch viele Menschen die sich für Handicapkatzen interessieren verstehen eben das nicht.

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Ich bekam viele Anfragen für ihn, erstaunlich viele. Doch immer wieder kam ich an den Punkt wo mir klar wurde, dass sie ihn als „armes Kätzchen“ sahen und nicht als selbstbestimmten Streuner.

Weder bleibt er am Ende eines Brückenteppichs stehen und wartet, bis Mensch ihn rüber zum anderen Teppich trägt, noch kann man ihn vom OG ins EG und umgedreht tragen, damit er nicht ausgeschlossen ist, noch kann man ihn in einen Garten setzen und erwarten, dass er dort bleibt.

Schon am hochheben scheitert es, da er sich fauchend und um sich beißend wehrt... und sitzen bleiben? – niemals! Er läuft dahin wohin er will, so weit er will und kann - und das schneller als man gucken und ihn daran hindern kann. Da hat kein Mensch eine Chance einzugreifen.

In einem solchen Wohnumfeld müsste er immer in einem extra für ihn eingerichteten Zimmer separat leben – für immer weggesperrt hinter Gittern, nie mitleben dürfen, nie voll dabei sein dürfen.
Nein, das wollte ich nicht für ihn. Und so platzte ein Interessent nach dem anderen weg, bis keiner mehr übrig war.

Ein paar wenige mit normaler Wohnung mit Balkon meldeten sich, die auch bereit gewesen wären diese für ihn mit Teppich auszulegen, doch da scheiterte es jedesmal am Geld.

Natürlich könnte man versuchen Spender zu finden, aber schlußendlich muss einem dann doch klar sein, dass eben wegen der Stümpfe immer mal Kosten auf einen zukommen können, wenn diese trotz aller Maßnahmen aufplatzen; das muss sein Mensch dann auch in Zukunft deckeln können.
Wer finanziell so eng rechnen muss, der sollte trotz allem guten Willen lieber keine Katze aufnehmen, wo gewisse Kosten absehbar sind, so leid es mir auch tut.

Und so gingen die Monate ins Land und Marek ist immer noch bei mir.
Er hat viele andere Pflegis in dieser Zeit kommen und gehen sehen.

Marek liebt andere Katzen, und die anderen nehmen ihn trotz seiner Behinderung als vollwertigen Kater wahr, da er eben genau das ausstrahlt: ein stolzer großer Kater.
So wurde er nie gemobbt und alle akzeptierten und mochten ihn.

Doch besonders mag er die Jungtiere.
Die nimmt er immer sofort unter seine Fittiche und spielt den großen Onkel Marek der sie beschützt. Und wenn die Kleinen dann beim Spielen um ihn rumflitzen und ihn in das Spiel miteinbeziehen, dann rollt er sich glücklich gurrend hin und her und gibt jedem der vorbeiläuft eine mit seinem Stumpf mit.

Doch jedesmal wenn seine Kumpels dann ausgezogen sind, trauerte er, vermisste sie sichtlich, zog sich zurück, fraß wenig, spielte nicht mehr, verschlief den Tag. Und irgendwann fragte ich mich, wie oft ich ihm das noch antun kann, bevor er innerlich zerbricht.

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Der Kater, der stark genug war, um einen derartigen Unfall zu überleben, sollte nicht an gebrochenem Herzen eingehen, das wäre nicht fair. Also begann ich nach einer ebenfalls gehbehinderten Katze Ausschau zu halten, die zu ihm passt und dann als Dauerkumpel mit ihm zusammen vermittelt werden kann.
Ein ebenbürtiger Kumpel, der ihn nicht mehr verlassen muss.

Doch so etwas ist schwer zu finden, denn die meisten stärker gehbehinderten Katzen haben aufgrund ihres Unfalls auch ein Problem mit der Blase, was sich nicht mit dem Teppich verträgt...

Als es dieses Jahr im Frühling so schnell so warm wurde hatte ich im Katzenraum oft das Fenster auf. Und Marek saß dann unter dem Fenster auf dem Boden und horchte aufgeregt nach oben. Er tat mir so leid...

Doch wie sollte ich es anstellen, dass er, bis sich das richtige Zuhause findet, auch noch etwas von der Welt draußen mitbekommen kann?

Und dann kam mir eine Idee:
Im OG des Hauses habe ich einen größeren Flurbereich, von dem aus ein kleiner Balkon abgeht. In diesen Bereich baute ich mit Holzlatten und Katzennetz eine Art „Indoor-Käfig“, vernetzte den Balkon und legte im gesamten Bereich Teppich aus – und fertig war Mareks neuer Pflegiraum. Zwar nur 6 qm groß, aber mittendrin und auf Mareks Bedürfnisse ausgelegt.

Marek war überglücklich wieder ein bißchen draußen zu haben, lag stundenlang in seiner Graskiste die ich ihm auf den Balkon gestellt hatte und beobachtete die Welt draußen.

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Doch er war sichtlich einsam, hing weinend am Gitter, wenn eine meiner eigenen Katzen im Flur zu sehen war. Aber weder ein passendes Zuhause noch ein passendes Kumpelchen war in Sicht.

In meiner Not setzte ich ein nicht behindertes, aber eher ruhiges soziales Mädelspaar zu ihm dazu.
Die 3 freundeten sich auch schnell an und Marek war fürs erste wieder glücklich. Doch das Wahre war es nicht, da sie ja auch irgendwann wieder ausziehen würden, wenn sich ein Zuhause für sie gefunden hatte.

Dann berichtete eine Bekannte von mir, die auch Katzenschutz macht von ihrem neuen Fund.
 
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Direkt hinter ihrem Haus ist ein kleiner Park an einer vielbefahrenen Straße. Dort tauchen immer mal wieder wilde Katzen auf.

Ihr war erneut von einer Kätzin mit einem schwarzen Jungtier berichtet worden, und sie versuchte sie anzufüttern. Doch das Futter wurde nicht angerührt, stattdessen schrie ein Kätzchen ständig irgendwo. Sie konnte es hören, doch sie fand es nicht. Nach 2 Tagen fand sie es dann endlich:

Das kleine schwarze Winzling saß mitten im Gebüsch und schrie herzzerreißend. Sie stellte Futter hin, doch es rührte es nicht an, stattdessen versuchte es, den Rindenmulch auf dem es saß zu fressen. Also fackelte meine Bekannte nicht lang, sondern packte einfach zu und stopfte das Tier in die Box. Es war mittlerweile zu schwach um sich zu wehren, konnte sich kaum noch auf den Beinchen halten.

Beim Tierarzt wurde es untersucht und bekam Infusionen.
Es war ein kleines winziges Mädchen mit deformierten Vorderpfoten – sie hat vorne nur 3 Zehen, die teilweise nach oben abstehen und verkürzte Ballen.

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Sie war gemäß des Zahnstatus schon 3 Monate alt und wog nur 550 Gramm. Der Darm war voller Rindenmulch den sie in ihrer Verzweiflung gefuttert hatte. Da die Gefahr eines Darmverschluß bestand, bekam sie einen Einlauf. Nach der Tierarztuntersuchung war sie so schwach, dass sie kaum noch den Kopf hochheben konnte. Es war fraglich, ob sie die Nacht überstehen würde.

Die liebe Frau setzte die Kleine bei sich in einen Käfig und päppelte sie mit Zwangsfütterung.

Minni - wie sie sie nannte - nahm die Zuwendung und das Päppeln dankbar an, kuschelte sich selig schnurrend bei ihr in den Schoß. Sie überstand die erste Nacht und war am nächsten Tag schon sichtlich besser drauf. Jeden Tag ging es ihr ein bißchen besser, und nach 2 Wochen hatte sie ihr Gewicht verdoppelt.

Aus dem zum Tode geweihten Winzling war ein kleiner, lebenslustiger schwarzer Hüpfeflummi geworden, dem der Käfig langsam zu klein wurde.

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Wir hatten beide von Anfang an den Gedanken und das Gefühl, dass Minni etwas Besonderes ist und sie die Richtige für Marek sein könnte. Zwar ist sie deutlich weniger behindert, als ich es eigentlich für ihn gesucht hatte, aber wir wollten es dennoch versuchen.

Und es war ein Volltreffer!

Minnis unbedarfte Sonnenscheinart ist genau das Richtige für Marek.

Sie fanden binnen kürzester Zeit zusammen, suchen ständig die Nähe des anderen.
Minni versucht sogar bei Marek zu nuckeln; sie toben zusammen, Minni flitzt um ihn herum und dann springt sie auf ihn drauf und sie balgen miteinander – das ungleiche Paar ergänzt sich perfekt.

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Marek hat sein Mädchen gefunden und Minni ihren Ersatz-Papa.

Sie haben furchtbares überlebt und überstanden, haben zurück ins Leben gefunden und dann nun sich gefunden. Das erste Happy End ist geschafft, jetzt im Moment sind die beiden glücklich.

Doch für den Rest ihres Lebens auf 6 qm?
Das kann es nicht gewesen sein...

Da fehlt noch das richtige Happy End: ein richtiges Zuhause!

Ich kann es ihnen hier nicht geben, mein Haus, meine Möglichkeiten geben das nicht her.
Aber vielleicht kannst Du es ihnen ja geben?

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Update 19.12.2018

Weihnachtswunder gibt es doch! :)

Heute habe ich die Info bekommen, dass eine Vorkontrolle für Kater Marek positiv war und er wird in Kürze umziehen. :-)

Es ist ein wenig schade, Marek und Minnie zu trennen, aber Minnie kommt auch gut mit den anderen Katzen auf der jetzigen Pflegestelle aus und in Marek's neuem Zuhause - wo wohl perfekte Lebensbedingungen für ihn herrschen - wohnen bereits 5 weitere Katzen, so dass er dort sicherlich auch wieder Kumpel finden wird.

Die Menschen hatten eine alte Vermittlungsanzeige aus der Vor-Minnie-Zeit von ihm gesehen, wo er noch alleine beschrieben wurde, und 2 Katzen zu den vorhandenen hinzu, war dann doch zuviel.

Ich freu mich riesig für den tapferen Katermann und mir wurde versichert, dass Minnie so ein Schätzchen ist, dass sie sicherlich auch recht schnell vermittelt sein wird. :-)

05.12.2018

07.12.2018


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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