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Sharik & Kenai

Es war kein guter Tag, der 22.02.2012.

Der lange Lebensweg von fast 15 Jahren unserer weltbesten Krümelmaus sollte ein Ende finden. Das Herz wollte absolut seinen Dienst einstellen und leiden… nein leiden sollte sie nicht.

Somit begleiteten wir sie auf ihrem letzten Weg, solange es uns möglich war. Um 19 Uhr schlief sie ruhig in ihrem heißgeliebten Auto für immer ein.

Jeder, der diesen Gang schon einmal gegangen ist, kann sicherlich nachvollziehen, wie es uns ging. Es zog mir den Boden unter den Füßen weg und ich wollte nur noch eins, meinen geliebten Hund betrauern.

Das tat ich auch ausgiebig und merkte dabei gar nicht, wie auch mein Mann litt. Die Tage ohne Hund waren zu lang, zu dunkel und selbst das Ticken der Uhr brachte mich fast um den Verstand.

„Komm, lass uns einen Ausflug machen. So, wie Laika es geliebt hätte“, sagte er einen Sonntagnachmittag.

Ok, dachte ich. Heulen kannst Du auch im Auto.

„Du, so ganz ohne Hund, das kann ich einfach nicht“, platze es irgendwann aus ihm heraus.

Wie bitte? Hatte ich mich verhört? Das war doch wohl nicht sein Ernst? Ich soll meinen Hund ersetzen? Der spinnt doch wohl!

Den Rest des Weges verbrachte ich schluchzend, in Gedenken an meine Große.

Aber er hatte ja, wie so oft, Recht. Das Körbchen war leer und die Tierheime voll. Ersetzen konnte sie eh niemals jemand.

„Na gut“, sprach ich das Thema nochmals an. „Aber nur aus dem Tierheim und wenn dann gleich ein Pärchen, die haben es eh immer schwerer und wir hatten sonst immer zwei Hunde“

Dann folgte ein folgenschwerer Eintrag in der Suchmaschine: Hund, Pärchen, Tierheim

Der erste Eintrag ließ mich das erste Mal seit langem wieder laut auflachen.

„Guck mal, was sind denn das für zwei? Sind das Hunde oder Wollschweine“, lachte ich.

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Es waren Hunde, Wolfsspitze um genau zu sein, wie ich ein paar Tage später feststellen musste. Mein Göttergatte hatte flux beim Tierheim angerufen und einen Besichtigungs- termin ausgemacht.

„Hey, das war ein Witz“, versuchte ich augenrollend die Situation wieder abzuwiegeln. „Wir wollen wieder Schäferhunde, wenn Du Dich erinnerst“.

„Ja, aber die Beiden sind doch süß und wir müssen ja nur mal gucken“, entgegnete er.

Ja klar, nur mal gucken... jeder, der diese Aussage schon einmal gehört hat, braucht eigentlich gar nicht weiterlesen… der Ausgang war ziemlich klar.

Es war ein Dienstagnachmittag. Es war kalt, nieselig und meine Laune war durch den erledigten Arbeitstag eh nicht die Beste. Aber es hilft ja nix, gute Laune zum bösen Spiel also.

Nach einem kurzen Gespräch mit der Tierheimmitarbeiterin ging ein Zwinger auf und zwei wuschelige, stinkende Gestalten kamen an der Leine herausgeschossen. Selbige wurden uns in die Hände gedrückt und bevor wir uns versahen rannten wir mit den beiden Gestalten durch den angrenzenden Wald.

Erwähnte ich schon, wie kalt und nass es war? Die Hunde waren fürchterlich verwahrlost, hatten enormen Durchfall und schleiften uns die schlammigen Wege lang.

Meine Laune konnte nicht mehr sinken.

Eine gefühlte Ewigkeit später am Tierheim bekamen wir die ersten Fakten über die Beiden: Vater und Sohn, 3 und 6 Jahre alt, ehemalige Wachhunde, kannten kein Leben im Haus, kannten eigentlich gar nichts, dafür aber nett.

Aha, klang ja alles richtig toll. Soo hatte ich mir meine beiden neuen Wegbegleiter ja nun gar nicht vorgestellt. Aber bestimmt nicht!

Also sagte ich sehr bedauernd:“ Das ist ja schade... dann werden die Beiden wohl auch kein Auto kennen und Autofahren ist bei uns leider zwingende Voraussetzung.“

Bevor ich meine Leine der netten Mitarbeiterin wieder übergeben konnte, sagte sie schon:“ Ach, das ist doch kein Problem! Das klären wir mal gerade“.

Sprachs und verfrachtete die Hunde mir nichts, dir nichts in den Kofferraum! *Rums* Klappe zu.

„Ja, dann wäre das ja auch geklärt. Ich denke, sie nehmen die zwei erst einmal mit und schauen wie es klappt und wir telefonieren morgen, übermorgen! Guten Heimweg!“ Weg war sie...

Bitte? Hatte ich mich gerade verhört? Das gibt es doch nicht, die konnte uns doch nicht einfach die Hunde aufs Auge drücken? Ich schwankte zwischen Wut und Fassungslosigkeit. Keine Vorkontrolle? Kein Kennenlernen? Was war das denn?

So fuhren wir also wieder gen Heimat. Mit den beiden Hunden.

Es regnete noch immer und wärmer war es auch nicht geworden. So schwankte ich die ganze Strecke zwischen erfrieren (Fenster auf) und erstinken (Fenster zu).

Nach 1,5 Stunden Fahrt erreichten wir, pünktlich kurz vor Feierabend, den örtlichen Fressnapf. Schnell noch eine Notfall – Erstversorgung aus Körbchen, Geschirr, Leinen und Futter erstanden und ab nach Hause.

Während der Fahrt schossen mir tausend Gedanken durch den Kopf. Was, wenn sie nicht ins Haus wollen? Stubenrein waren sie wohl auch nicht. Was, wenn sie keine Treppen kannten? Was, was, was...

Zu Hause angekommen, öffneten wir langsam den Kofferraum um die beiden herauszuholen und *schwupps* wie glitschige Aale witschen sie an uns vorbei und auf die Straße.

Du lieber Himmel, das ging ja gut los. Noch nicht einmal zu Hause angekommen und schon entlaufen. Mir, als penible genaue Hundehalterin, passiert das!?

Mir brach der stehende Schweiß aus.

Genau in diesem Moment kam ein Mann mit Dackel die Straße lang und beide Hunde stürzten sich, zwar freundlich aber doch im Affenzahn, auf diesen armen Dackel.

Entschuldigungen stammelnd schafften wir es zumindest beide wieder einzufangen und ins Haus zu bugsieren.

Der Mann mit dem Dackel sucht im Übrigen heute noch das Weite wenn er uns sieht und ich muss mich noch immer zusammenreißen, mich nicht zum 1000sten Mal zu entschuldigen. J

So zogen Sharik und Kenai bei uns ein. Nass, stinkend, verfilzt und voller Angst.

Die ersten Tage und Nächte verbrachten sie in der Küche in ihrer „Höhle“. Zwischendurch kamen sie immer mal wieder raus um sich zu vergewissern, dass wir noch da sind... Um dann schnell wieder zu verschwinden.

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Es waren aufregende Tage. Sharik und Kenai hatten nichts und kanten nichts. Zwei Namen, auf die sich nicht hörten, ein derart verfilztes Fell, dass ich sogar Teppichreste rausschneiden musste (nur den Goldbarren, den ich immer gesucht habe, den habe ich leider nie gefunden) und Angst vor allem.

Die beiden benahmen sich wie zwei Welpen, nur leider ohne die Welpen typische Neugierde. Alles war erst einmal furchteinflößend. Selbst Tassen, Teller und Töpfe. Flaschen waren lange Zeit ein Grund sich ängstlich zu verstecken, Leine und Geschirr mutierten zu Ungeheuern.

Meine Schienbeine brannten schon nach einem Tag, denn Leinenführigkeit war natürlich null gegeben. Stubenreinheit auch nicht und so mancher Schrank und Türpfosten musste dran glauben.

Der schlimme Durchfall wollte einfach nicht aufhören und war auch durch Stress nicht mehr zu erklären.

Die Tierärztin bestätigte dann unsere Vermutung: Giardien. Es dauerte alles in allem ein gutes halbes Jahr bis wir dieses Mistzeug wieder los waren.

Leider verschwand dadurch aber nicht der Durchfall. Erst ein Allergietest, der bestätigte dass Kenai auf so gut wie alles allergisch reagierte, brachte den Durchbruch.

Nach zwei Tagen rief dann die Tierheimmitarbeiterin an und erkundigte sich nach den Beiden. Aha, also scheint es sie ja doch zu interessieren, was mit den Hunden wurde?

Meine Begrüßung fiel entsprechend unterkühlt aus. Nach der Erklärung warum und wieso sie so handeln musste, war auch ich wieder milde gestimmt.

Der ehemalige Besitzer, der sich ihrer so lieblos entledigte, wollte sie wiederhaben. Sein Zwinger wäre bald fertig. Auf die Entgegnung der Tierheimfrauen, dass er die Hunde sicherlich niemals wieder bekäme, drohte er an, die Hunde notfalls auch unter Gewalt wiederzuholen. Tja, und dann kamen wir und alle waren froh, die Beiden aus der Schusslinie zu haben, so weit weg wie möglich.

Ob wir sie denn behalten wollen? Natürlich! Was hier einmal einzieht, dass bleibt!
Außerdem hatten die zwei schon nach ein paar Tagen so ein kleines, winziges Stückchen meines Herzens erreicht.

Langsam gewöhnten sie sich an das Leben in einer Familie. An Häuser, Autos und Menschen. Aber gerade Sharik hatte große Probleme bei den kleinsten Veränderungen. Fast ein Jahr lang konnten wir immer nur ein und dieselbe Gassistrecke laufen. Heute mal rechts statt links rum? Ahm... nein. Jede kleine Abweichung wurde sofort mit Stress und massivem Durchfall quittiert. Feuchttücher wurden zu einem festen Bestandteil der Hundeausrüstung.

Was haben wir nicht alles versucht... Bachblüten, Zylkene und alles was die Apotheke hergab. Nichts half. Bis zu dem Tag, an dem wir beschlossen Sharik einfach als Sharik zu nehmen, mit all seinen Ecken und Kanten. Seit dem Tag ging es stetig bergauf.

Gesundheitlich hatte es Kenai besonders schlimm erwischt.
Von Anaplasmose, Bauchspeicheldrüsenentzündungen bis zum Cushing – Syndrom. Der Kleine hat in den letzten Jahren alles mitgenommen, was man als Hund so haben kann.

Die wöchentliche Physiotherapie kann zumindest die schlimmsten Schäden mindern. Aber nichts desto Trotz wurde aus dem Kennymann ein liebenswerter, fröhlicher Hund. Die zufällig entdeckten Luftgewehrgeschosse ließen meinen Zorn an den Herrn Vorbesitzer noch einmal kräftig auflodern.
Bei Sharik wurden auch welche gefunden, so dass es kein Zufall sein konnte. Auf beide Hunde wurde geschossen.

Kenny ist unser Sonnenschein, zumindest in den Momenten in denen seine Angst in einem kleinen Bereich seines Sturkopfes eingesperrt ist. Dann lacht er breit über beide Ohren und hat nur Quatsch im Kopf.

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Wenn ihn allerdings Dinge erschrecken oder das Frauchen mal traurig ist, dann zieht er sich schnell in sein Schneckenhaus zurück und wirkt wieder ängstlich wie am Anfang. So ganz kann er seine ersten drei Jahre wohl doch nicht vergessen.

Sharik war von Anfang an anders. Introvertiert und eher der Eigenbrötler. Er sonderte sich oft ab und wäre nie auf den Gedanken gekommen auf dem Sofa mit uns zu kuscheln. Er freute sich und hatte Spaß, aber nur solange man nichts von ihm wollte. Ließ man ihn in Ruhe, war auch er ein fröhlicher Hund.

Ganz wichtig sind für ihn seine Kuscheltiere, die er jeden Abend neu begrüßt und sortiert. Wehe, eines fehlt. Dann wird er regelrecht panisch. Das Vorhandensein seiner Tiere gehört für ihn zu seinem

Wunsch nach Beständigkeit, die er immer noch braucht.

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Im Gegensatz zu Kenai ist er ein typischer Spitz. Wachsam und laut. Seine spitzen Zähne konnte er leider bereits bei Eindringlingen, oder das was er dafür hielt, einsetzen. Es war viel Arbeit, aber sie hat sich gelohnt.

Seit etwa einem Jahr hat sich auch Sharik geändert. Oft kommt er zum Kuscheln, schläft auch schon mal im selben Raum, wo wir sitzen. Ab und zu blitzen seine Augen auf und er benimmt sich wie ein Kaspar. Es tut gut, dass zu sehen.

Sie waren endlich beide vollkommen angekommen, in ihrem neuen Leben.

Und wir waren glücklich. Zumindest in den Zeiten, in denen nicht gerade der Fellwechsel stattfand. In diesen Zeiten hätte ich sie gerne auch mal ausquartiert.

Gerne hätte ich die Geschichte hiermit abgeschlossen, aber leider meint es das Schicksal nicht immer gut mit einem.

Die Freude über das „fast“ normale Leben mit den beiden Jungs sollte Oktober einen argen Dämpfer bekommen. Sharik ging es schon eine Weile nicht gut. Er plagte sich mit einer Blasenentzündung nach der nächsten, ein Kastrationstermin war beschlossene Sache.

Trotzdem traute ich der Sache nicht. An einem Dienstagnachmittag sagte meine Intuition, die gerade bei Sharik sehr ausgeprägt zu sein scheint, fahr zum Tierarzt. Sofort!

Dort angekommen, wollte man mich auf den nächsten Tag mit einem festen Termin vertrösten. Zugegeben, die abendliche, freie Sprechstunde war arg voll. Mit Tränen in den Augen ließ ich mich jedoch nicht vertrösten und bestand auf einen sofortigen Ultraschall. Zum Glück.

Ein riesiger Milztumor, bereits mit der Bauchdecke verwachsen und sehr fragil, kam zum Vorschein. Zwei Stunden später wurde er in der Tierklinik aufgenommen und am nächsten Tag operiert.

Den Tag verbrachte ich zitternd vor dem Telefon, hatten wir doch abgesprochen, dass sie, wenn es zu schlimm ist, ihn einschlafen lassen. Abends dann die erlösende Mitteilung, Sharik lebt. Es war ein bösartiges Hämangiosarkom, das aller Vermutung nach bereits geblutet hat. Ich war fassungslos.

Warum mein Hund? Warum schon wieder, hatte ich doch gerade letztes Jahr einen Hund durch einen geplatzten Milztumor verloren? Warum Sharik? Hatte nicht gerade er das Recht auf ein langes, schönes Leben? Es war ungerecht.

Am nächsten Tag kam die Bitte der Klinik ihn abzuholen. Er gebärdete sich dort fürchterlich und ließ keinen mehr an sich ran. Also holten wir ihn nach Hause.

Dünn, klapprig und völlig verstört. Aber er erholte sich schnell. So schnell, dass man meinen könnte einen völlig gesunden, jungen Hund vor sich zu haben. Er spielt, er hat gute Laune und frisst für drei. Er genießt im Moment das Leben und wir mit ihm.

Die Prognosen sind schlecht, sehr schlecht. Aber jeder einzelne Tag ist ein Gewinn, ein geschenkter Tag.

Wenn ihr diese Geschichte lest, weiß ich nicht ob mein geliebtes Schrumselchen noch bei uns ist. Wenn ja, dann wisst ihr, dass ich heute ein sehr glücklicher Mensch bin!

Wenn nicht, dann seid gewiss, dass er mit so viel mehr gegangen ist als er gekommen ist. Er hat ganz viele Namen, Sharilein, Schrumse, Schrumselchen, Murmelchen, großer Papabär und auf alle hört er.

Er hat ganz viele Plätze, Decken und Höhlen. Seine heißgeliebten Kuscheltiere, das Zebra, Zotti, Tiger, Paul, Kröti und die Shawns.

Die alle wird er nicht mitnehmen können auf seiner letzten Reise. Aber eines, das wird er mitnehmen. Einen großen Teil meines Herzens, denn er wird als geliebter Hund diese Welt verlassen.

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Aber soweit denken wir heute, beim Schreiben der Geschichte, noch lange nicht. Denn heute war ein guter Sharik – Tag! Ein sehr guter. Das Murmelchen hat getobt und war allseits guter Dinge. Die Hunde leben im Hier und Jetzt. Und das versuchen wir auch… nicht an morgen denken, sondern jeden Tag zusammen genießen.

Eine Freundin fragte mich kürzlich:
“Bei den ganzen Einschränkungen und Krankheiten, die diese beiden Hunde haben, bereust Du nicht manchmal sie aufgenommen zu haben?“

Das kann ich aus vollstem Herzen mit Nein beantworten.
Keinen Tag von den vergangenen bereue ich, sondern wünsche mir noch ganz viele davon.

Wir wünschen allen Frohe und glückliche Weihnachten.

05.12.2015

07.12.2015


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

Alles für Euer Tier! 

  

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