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Romeo

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Wie schreibt man eine Zuhause-gefunden-Geschichte, wenn man schon nach zwei Zeilen wieder vor dem Computer sitzt, mit den Augen auf dem Hund, dem Kloß im Hals und den Gedanken irgendwo in den letzten zwei Jahren??

Und darf man in einer solchen Geschichte schreiben, dass man gezweifelt hat und dass man den eigenen Hund nicht schön fand?

Ich versuche jetzt mal, mich zusammen zu reißen, diesen supersüßen Hund nicht zu beachten und einfach zu schreiben. Dabei fing unsere Geschichte so unspektakulär an.

Nach dem Tod meines absolut perfekten Traum-Staffords Nico, der berühmten Liebe auf den ersten Blick (von allen drei Seiten, meine Dalmi-Maus hat ja auch mitgeredet) war sofort klar:

Da muss wieder ein zweiter Hund auf die Couch. Kein Ersatz, das geht sowieso nicht. Dafür war mein Nico einfach zu besonders und so rundum "mein" Hund, das es schon unheimlich war.

Mir war natürlich klar, ein AmStaff soll es wieder sein. Und natürlich wusste ich auch ganz genau, wie er aussehen soll:

Mittelgroß, dicker Kopf, so breit wie hoch, ein gutgelauntes, munteres Muskelpaket sollte es sein...

Ab ging die Tour, tagsüber durch die umliegenden Tierheime, abends durchs www. Es folgte ein Anruf bei Frau Schürmann von Bullterrier in Not, bei dem sich herausstellte, dass sie meinen Blauen gekannt hat.

Unvergessen ihr Ausspruch, dass es jetzt aber schwierig sei, etwas zu finden, was in diese Pfotenabdrücke treten könne. Von ihr kam der Hinweis, auch die Seite vom Berliner Tierheim mal durchzusehen.

Und dann gab es ja auf ihrer Seite noch Scott, den ich seit Jahren immer wieder betrachtete, immer mit dem Gedanken, diesen Hund irgendwann zu mir zu holen. Nach zwei Tagen Internetsuche qualmte mir der Kopf, ich hatte eine Liste mit über zwanzig Hundenamen und war völlig ratlos. Also ging es noch mal ab ins www, diesmal ohne Blick auf Fotos, sondern nur auf den Text beschränkt.

Tja, und dann sprang mir ein Text direkt ins Auge:

Lieb, ruhig, kann alleine bleiben, gerne zu einer Hündin. Das klang so gut, dass ich mal einen Blick auf Foto riskiert habe. Ein Staffbull-Mix (wollte ich niiiiiiie haben), aber die Bilder... auf dem einen liegt diese halbe Portion wie auf die Couch geworfen, auf dem zweiten quetscht er sich in einen viel zu kleinen Baststuhl.

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Mir blieb fast das Herz stehen, weil es beide Bilder auch von meinem verstorbenen Staff gab. Ein Blick auf den Namen, und ich hätte einen Schnaps gebraucht. Nico. Mir war, als hätte mir jemand das Sofa unter dem Hintern weggezogen.

Kurz überlegt, und festgestellt:

Nein, diesen Hund möchte ich nicht haben. Erstens ein Staffbull, zweitens einer, der so hieß wie mein frisch verstorbener Rüde, neeeeee, auf keinen Fall.

Irgendwie und von ganz alleine geriet das Telefon in meine Hand und ich hatte Frau Schürmann in der Leitung. Ja, der Hund ist noch da, wohnt auf einer Pflegestelle in Duisburg.

Ein Anruf da (warum eigentlich, ich wollte diesen Hund doch gar nicht, aber das ging alles wie von Geisterhand), Verabredung für Freitag. Ganze drei Tage noch, wie sollte ich das denn aushalten?

Nach drei endlosen Tagen ab nach Duisburg, geklingelt, und dann kam dieser Zwerg... Auf kurzen krummen Beinen, ein kleiner dicker Hund, der mich begrüßt hat als hätte er seit Jahren auf mich gewartet.

Ich fand das nun wirklich nicht ungewöhnlich, schließlich hat mein Nico JEDEN so begrüßt.

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Während wir am Tisch saßen und mir erzählt wurde, dass es eine solche Begrüßung von diesem Hund noch nie gegeben hätte (von mir mit einem freundlichen Lächeln und einem gedachten „Jaja“ abgetan), währenddessen also sah man unter dem Tisch nur zwei riesige Augen, die mich keine Sekunde losließen.

Es folgte ein kurzer Spaziergang zusammen mit meiner Hündin, die auch ganz begeistert war. Wahrscheinlich hat sie sich gedacht, alles klar, den Zwerg stecke ich in die Tasche. :-)

Wir machten aus, das der Hund am Sonntag mal auf Besuch zu mir nach Dortmund kommt.

Ich habe mich am Samstag trotzdem mit meiner Hündin ins Auto gesetzt und bin nach Herford gefahren, im Kopf den Gedanken, dort ja vielleicht doch noch einen "richtigen" Stafford zu finden. Uns wurde auch prompt einer vorgestellt, mittelgroß, breit, lackschwarz… Ich dache „och nö“, meine Hündin sagte es.

Während wir dort standen kam Scott vom Spaziergang zurück, eingepackt in seine Winterjacke Eisbär, gutgelaunt tänzelnd. Ich habe ihn gesehen, aber nicht wirklich mit dem Herzen wahrgenommen.

Heute, wo der tolle Scotte wirklich bei mir lebt, weiß ich, dass es wahrscheinlich reiner Selbstschutz war. Er hat in manchen Dingen so viel Ähnlichkeit mit meinem damals frisch verstorbenen Nico, ich hätte ihn noch nicht ertragen und ihm nicht gerecht werden können. Hier jetzt weiter auszuholen, wie der Süße dann doch noch zu uns kam würde ein weiteres Zuhause- gefunden geben und den Rahmen sprengen. Und eigentlich wollte ich ja von dem kleinen Krummbein erzählen.

Ich glaube im Nachhinein, man hätte mir dort an diesem Samstag Nachmittag in Herford einen Hund backen können, ich hätte ihn nicht genommen. In einer Ecke meines Herzens saß schon diese kleine ernste Portion Hund mit den riesigen Augen, auch wenn es mir nicht bewußt war.

Dann kam der Sonntag, und der Hund wurde gebracht. Ich hatte schon vor der Tür gewartet, weil wir mit den Autos erst zu einer nahe gelegenen Wiese fahren wollten, damit die Hunde sich noch mal auf neutralem Boden begrüßen können. Während sich die Menschen begrüßten war auch Nico schon aus dem Auto gesprungen. Ich ging zu meinem Auto, der Kleine sollte wieder in sein Auto steigen.

NIE werde ich den Blick vergessen, wie er da so alleine auf dem Bürgersteig saß und mir hinterherguckte. Alleine beim Gedanken an dieses verzweifelte Häufchen Elend habe ich schon wieder feuchte Augen.

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Kurze Zeit und einen Spaziergang später war es soweit, es ging "nach Hause". Der Kleine marschierte in die Wohnung und inspizierte alles. Es erinnerte an jemanden, der in aller Ruhe durch ein Möbelgeschäft streift und sich die ausgestellten Stücke genau ansieht.

Den Vogel abgeschossen hat er im Schlafzimmer. Dort stand ein Sessel, der kurz beschnüffelt wurde. Ein Hopp, und der Hund lag drauf. Einmal hingelegt, zurechtgerückt, umgeguckt, aufgestanden und weiter durch die Wohnung. Das war ein 1a-Probeliegen!! Mein Sessel hat den Test bestanden, der Hund blieb.

Jetzt gab es noch ein Problem: dieser Hund konnte natürlich nicht weiter Nico heißen. Aufgrund der krummen Beine und der Spondylose hat er eine lustige Art zu rennen, es erinnert mehr an ein Kaninchen.

Ein schöner Name eines Comic-Kaninchens? Fehlanzeige.

Etwas Ernstes, was an einen Professoren erinnert, wegen des ernsten Blickes? Fehlanzeige.

Dann traf mich ein Blick aus den Augen, mir wurde klar, dass ich von diesem kleinen dicken Hund völlig um die Pfote gewickelt worden war, und somit war der Name klar: aus Nico wurde Romeo!

Ich gebe zu, es kam auch noch die Phase, in der ich an meiner Entscheidung gezweifelt habe. In dieser Phase war ich auch, als ich das erste Mal mit ihm bei unserer Tierärztin war. Sie kannte seinen Vorgänger, wusste, was für ein Dream-Team wir waren und wie sehr ich an dem Hund gehangen habe. Ich weiß noch, dass sie hellauf begeistert war von meinem neuen Hund, er wäre soooo schön, ne, was für ein Süßer. Und ich habe wieder nur gedacht: ja..ja..

Mal im Ernst: Sie hätte sich ja wohl in keinem Fall hingestellt und zu einer ihrer Kundinnen in einer solchen Situation gesagt, da haben sie sich aber einen hässlichen Hund ausgesucht, wo kommt die halbe Portion denn her. :-) Es gab eine kurze Phase, in der ich dachte, dass ich jetzt genau den Hund hätte, den ich mir als Oma hätte vorstellen können.

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Und dann, plötzlich, fand ich mich bei mir im Schlafzimmer wieder, vor dem Sessel auf dem Boden sitzend und meinen schlafenden Romeo anhimmelnd. Wer kann auch diesen Kajal-Augen widerstehen???

Rückblickend muß ich sagen, dass es zwar irgendwas gab, was uns von Anfang an verbunden hat, aber diese tiefe Bindung, wie es sie jetzt gibt haben wir uns erarbeitet. Im Laufe der Zeit stellte sich heraus, dass Romeo gar kein ernster Hund ist, er war lediglich unsicher.

Deshalb haben ihn Begegnungen mit lebhaften oder großen Hunden auch fürchter- lich gestresst, weil er die Hundesprache nicht lesen und sprechen konnte. Je mehr ich mit ihm und an seinem Selbstbewusstsein gearbeitet habe desto offener und alberner wurde er.

Er hat in den ersten Wochen viel Zeit auf seinem Sessel verbracht, während wir im Wohnzimmer saßen. Ich weiß noch wie sehr ich mich gefreut habe, als er das erste mal einen ganzen Abend bei uns auf der Couch verbracht hat. Und als dann der Tag kam, an dem er sich das erste Mal auf meinen Schoß legte hatte ich mal wieder das Wasser in den Augen stehen.

Kurz danach kam auch schon der Tag, an dem er mir zeigte, wie man mal eben locker den Test zur Maulkorbbefreiung besteht. Das Frauchen hatte so böse Prüfungsangst, aber mein kleiner ist riesengroß mit Drahtseilnerven durch die Aufgaben marschiert und hat das mal eben für uns erledigt.

Wenn ich heute sehe, wie er mit anderen Hunden kommuniziert bin ich soooo stolz auf meinen kleinen Mann. Und wenn er nicht so über sich hinausgewachsen wäre, wäre ein Zusammenleben mit unserer Dampfwalze Scott heute gar nicht möglich. Er verläßt sich voll und ganz darauf, dass ich mich vor ihn stelle und Konfliktsituationen für ihn regele.

Als kleines Anekdötchen zum Schluß:

Deutlich wurde das zum Beispiel immer, wenn Scott durch sein neues Zuhause galoppierte und dabei den deutlich kleineren und schwächeren Romeo anrempelte. Statt sich den vermeintlichen Feind zu schnappen guckte er mich mit großen Augen anklagend an. Also habe ich mit ernstem Ton hinter Scott hergeschimpft und ihm gesagt, dass er das nicht darf.

Romeo hat mich sehr genau beobachtet, dann gab es einen verliebten Blick und er hat aufgeatmet, weil sein tolles Frauchen ihn beschützt hat. Wenn man ihn kennt sieht man richtig, wie der Streßmantel von ihm abfällt wie ein Schatten.

Für die Scott-Fanclub-Fraktion, die jetzt entrüstet aufschreit: Ja, es stimmt, Scott hätte gar nicht verstanden, weshalb ich mit ihm schimpfe. Aber da unser Bär altersbedingt sehr schwerhörig ist und ich nicht laut, sondern nur in sehr gewichtigem Tonfall mit ihm geschimpft habe... hat er davon gar nichts mitbekommen :-)

Scott war zufrieden, weil es ihm in seinem neuen Heim gefiel, und Romeo war zufrieden, dass der Neue zurecht gewiesen wurde. Alle Seiten glücklich und zufrieden, was will man mehr. ;-)

Und jetzt habe ich für die letzten Zeilen schon wieder ewig gebraucht, weil ich im linken Augenwinkel einen zuckersüßen braunen Zwerg der Länge nach auf der Couch liegen sehe, die krummen Beine in die Luft gestreckt, die Öhrchen aerodynamisch angelegt.

Und dann diese Himmelfahrts-Nase, die ich ständig anstupsen muß...

Leute, entschuldigt mich, ich muß los. Den Hund knubbeln....

02.12.2007

04.12.2007


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