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Tanja

Februar 2007

Endlich ist Tanja bei uns

Im Dezember 06 war ich erstmals im Internet unterwegs. Da ich Hunde eine große Hundefreundin bin, kam ich bald auf verschiedene Tierschutzseiten aus In-und Ausland. Zu sehen, wie viele Tausende von Tieren mit den unterschiedlichsten Schicksaalen ein Plätzchen suchen, hat etwas in mir verändert.

Mehrere Nächte habe ich kaum Schlaf gefunden, weil alles was ich tun kann, nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, doch es bleibt einem ja nichts übrig, als halt das wenige zu tun, was man tun kann.

Und nur für einen einzigen hatte ich jetzt noch ein Plätzchen frei, da mein geliebter Schäferhundrüde Thor vor 4 Monaten gestorben ist. Eigentlich fühlte ich mich noch nicht bereit für einen neuen Hund, weil ich noch trauerte, aber als ich an die ungezählten dachte, deren Lebenszeit währenddessen in einem Tierheimzwinger verstreicht, war klar, daß ich nicht mehr warten sollte.

Seit 1989 habe ich drei Hunde im Alter von 10 Monaten bis 6 Jahren, die zum Teil etwas schwierig waren, aus Tierheimen adoptiert, aber diesmal sollte es ein Tierchen sein, das sehr dringend sucht.

An Sylvester sah ich in unserem Tierheim ein 14jähriges Langhaardackelchen, dem es so schlecht ging, daß es sich kaum noch rühren konnte. Ohne lange zu überlegen nahm ich ihn mit zu uns.

Nach wenigen Tagen blühte der Kleine auf und wackelte stundenlang durch die Wohnung (auch er hat es in den letzten Jahren nicht gut gehabt, wurde vernachlässigt, seine Krallen waren so lang, daß er kaum noch laufen konnte, aber das ist eine andere Geschichte, seine Geschichte.)

Chicco hatte früher mit einem anderen Hund zusammengelebt, und da er so klein ist und so wenig Platz benötigte, könnte ich ja vielleicht noch einer armen alten Seele helfen.

Doch wem?

Hunderte von Hunden hätte ich gerne genommen...

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Da sah ich Tanja`s Inserat. Sie wurde als sehr unglücklich beschrieben, da sie ihren Gefährten Chicco verloren hat, und sie sollte mit ihren 14 Jahren nun wirklich nicht mehr warten müssen.

Sie mußte so Schlimmes durchleben - ich will sie noch einmal richtig glücklich machen!

Hatte ich doch Zuhause einen alten Knaben, der zufällig auch Chicco hieß.

Schnell war der Kontakt zum Tierheim Limburg hergestellt und endlich war der Tag, an dem ich sie holen durfte gekom- men.

Gleich als ich aus dem Auto stieg, sah ich sie mit ihrer Patin in einem der Außenzwinger, und schon kamen mir die Tränen, denn sie sah viel älter aus als auf dem Foto, das ich kannte. 5 lange Jahre mußte sie im Tierheim warten!

Es tröstete mich aber zu sehen, wie gut man es hier mit ihr meinte: sie hatte in Frau Latsch eine liebevolle Patin, die gleichzeitig ihre Bezugsperson war, sehr oft mit ihr spazieren ging und ihr dieses und jenes Extra sponserte. Überhaupt war Tanja dort bei allen Mitarbeitern sehr beliebt, erhielt viele Streicheleinheiten und Vergünstigungen (wie zum Beispiel fast tägliche Aufenthalte auf dem Sofa des Büros) und wurde nach Kräften verwöhnt. Auch der Zwinger war komfortabel ausgestattet und hatte einen schönenen Freilauf.

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Nichtsdestrotz war Tanja nach Chiccos Tod im Tierheim viel zu viel alleine und so wurde sie ins Auto gepackt, nachdem wir uns davon überzeugt hatten, daß sie und mein Chicco sich wohl mögen würden.

Die ersten Tage waren für alle Beteiligten etwas stressig. Tanja war zwar einerseits zugänglich und neugierig, andererseits aber auch nervös und aufgeregt und bestimmt auch heimwehkrank, was sich in langanhaltenden schmerzhaften und intensiven Juckreiz- attacken äußerte.

Sie hatte bei dem Tierquäler, dem sie neun Jahre lang als Gebärmaschine dienen mußte, eine Sarcoptes-Infektion -Räude-, die nicht behandelt wurde. Dadurch kam es zu irreversiblem Fellverlust an Rute und hinteren Rücken mit Neuropthien der betroffenen Hautarreale.

Die Arme konnte nachts kaum schlafen, kratzte sich nahezu ununterbrochen, winselte, schrie und geisterte durch die Wohnung. Hinzu kamen heftige Durchfälle. Anfangs machte sie auf ihren Stuhldrang durch anhaltendes Bellen aufmerksam. 4-5 Mal pro Nacht schoß ich aus dem Bett, packte uns beide (Tanja muß bei Kälte einen Mantel tragen, weil sie so wenig Fell hat) schnellstmöglich ein (draußen lag Schnee) und endlich waren wir im Freien.

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Ich hoffte auf die Geduld unserer Nachbarn - die zum Glück alle sehr nett sind - denn durch das Gebell gingen in ihren Wohnungen mitten in der Nacht die Lichter an. Wenn Tanja sich gelöst hatte, holte ich schnell Wassereimer, Scheuerbürste, Schaufel und Tüte, beseitigte alle Hinterlassenschaften auf Hof und Gehweg und hoffte nochmals auf die Geduld der Anwohner.

Tagsüber folgten einige Tierarztbesuche und Debatten mit meinerm Mann, der mich nicht unterstützte und beleidigt war, weil sich der neue Hund mit Vorliebe auf Bett und Sofa plazierte und ihn um seinem Schlaf brachte.

Doch Tanja ist so ein lieber Schatz, daß ich entschlossen war, um sie kämpfen und tatsächlich bekamen wir nach und nach alle Probleme in den Griff, denn diese uralte und noch dazu gehörlose Hündin, die noch nie in einer Wohnung gelebt hat, erwies sich als überaus intelligent und lernfähig:

(Entgegen dem hartnäckigen Voruteil, ein älterer Hund könne nichts mehr lernen)

Sie macht nun auf Sichtzeichen Sitz und Platz und Komm.

Sie bellt in der Wohnung nur ganz kurz und selten (z. B. wenn sie sich sehr freut oder es gleich Futter geben wird).

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Wenn sie sich dringend lösen möchte, meldet sie sich (funktioniert sogar bei Durchfall) und hält noch bis zu der dafür geeigneten Stelle (ca. 100m von unserer Wohnung) ein.

Sie hat sogleich verstanden, daß sie nicht auf Bett und Sofa soll, und versucht nie in unserer Anwesenheit sich dort hinzulegen, doch wenn wir außer Haus sind, sind das ihre Lieblingsplätze.

Ihre Wohnzimmermatte ist nahe der Terrassentür und sobald es wieder etwas wärmer, ist wird diese tagsüber offen sein und Tanja kann nach Lust und Laune in unseren kleinen Garten.

Sie hat durch ihr hohes Alter ein großes Schlafbedürfnis, daher ist es bestimmt nicht schlimm für sie, wenn ich an 4 Tagen pro Woche zur Arbeit muß.

Gewiß, auf einen Preis kann sie bei keiner Ausstellung mehr hoffen (obwohl sie ein sehr interessantes und schönes Gesicht hat), doch sie hat ein Herz aus Gold:

Einen sanfteren und gutmütigeren Hund muß man erst mal finden.

Sie genießt ihre Streicheleinheiten mit einem wohligen Brummen und ist überaus anhänglich. Wie schön ist es doch nach der Arbeit nach Hause zu kommen und von ihr überschwänglich begrüßt zu werden!

Sie ist sehr sehr dankbar und verfolgt mich auf Schritt und Tritt, auch wenn sie eigentlich müde ist. Wenn sie einem so anschaut, scheint sie zu lächeln.

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Kommt Hundebesuch zu uns, ist das für Tanja kein Problem. Auch unterwegs ist sie zu anderen Hunden eher neutral bis freund- lich; Nur wenn sie angeraunzt wird, bellt sie zurück.

Überhaupt geht sie noch sehr gerne spazieren, schnüffelt hier und dort, gräbt nach Mäusen, hält nach Katzen Ausschau (einmal hat sie einen bemerkenswerten Sprint gezeigt), und ein andermal wollte sie in flottem Trab eine frische Rehfährte (habe das Reh noch gesehen) verfolgen.

Draußen im Grünen ist keine Leine nötig, sie läuft sehr schön mit! Sie ist für ihr Alter noch gut zu Fuß und springt mit einem Satz ins Auto.(Ans Autofahren hat sie sich auch ruckzuck gewöhnt).

Kaum zu verstehen, warum sie 5 Jahre im Tierheim auf ein Zuhause warten mußte!

Ihr Gesundheitszustand hat sich verbessert. Die Juckreizattacken kommen selten und dauern nicht lange und auch die chronische Ohrenentzündung ist mit den neuen Tropfen etwas abgeklungen. Da sie mehrere kleine Gesäugetumore hat, hoffen wir inständig, daß ihr noch Zeit bleibt und es ihr noch lange gutgehen wird.

Nur leider hat es der kleine Chicco, der immer Tanjas Nähe suchte, nicht mehr geschafft. Er war so krank, daß er Ende Januar ins Regenbogenland geschickt werden mußte.

Ich genieße jeden Tag mit Tanja - das Leben mit ihr ist wunderschön; Schon jetzt habe ich sie so liebgewonnen, daß ich eigentlich keine Stunde von ihr getrennt sein möchte.

Ein Jahr mit Tanja

Januar 2008

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Mittlerweile ist ein Jahr vergangen, und wir haben mit Tanja Einiges erlebt. Sie hat nun eine kleine Freundin namens Sugar an ihrer Seite (mein erster und bisher einziger ehemaliger Pflegehund). Zusammen haben wir schon viele Ausflüge und sogar einige Auslandsreisen unternommen.

Überall tritt sie überaus selbstbewusst auf. Egal wie groß das Rudel ist, auf das Sie trifft: Tanja sieht sich in der Führungsposition und verkündet dies mit ehrfurchtsgebietend hochgerecktem Pinsel und rostigem Gebell. In diesen Situationen stehe ich innerlich darum flehend dabei, dass sie nicht an den Falschen gerät, denn ihre körperliche Fitness hat den Zenit wohl schon vor 12 Jahren überschritten.

Doch die fast zahnlose Chefin scheint sich dessen nicht so recht bewusst zu sein. Es ist schon vorgekommen, dass fremde Hunde zu Besuch kamen und Madame erst wachgerüttelt werden musste, damit sie Gelegenheit hatte ihren Führungsanspruch zu unterstreichen.

Die übermütigen Streiche von Sugar nimmt sie mit mütterlicher Gelassenheit hin und beschützt sie vor allzu forschen oder aufdringlichen Hunden.

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Während ihrer Läufigkeiten, hat sie schon 3 Rüden aus der Umgebung angelockt und in einem Fall
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wäre sie zu Allem bereit gewesen. Es ist sehr niedlich anzuschauen, wenn sie mit einem Rüden spielen möchte.

Sie hat eine große Leidenschaft für kulinarische Genüsse entwickelt und liebt Futtersuchspiele über alles. Ebenso schätzt und pflegt sie täglich stundenlang ihren Schönheitsschlaf und ihr gemütliches Schnar- chen gehört bei uns zum Ambiente.

In Bezug auf Streicheleinheiten ist sie unersättlich. Immer wieder wirft sie sich vor mich auf den Boden, damit ich sie ausgiebig kraule. Dies goutiert sie mit wohligem Stöhnen.

Wann immer möglich, nehme ich Tanja mit, denn sie ist recht neugierig und unternehmungslustig. Noch immer habe ich den Eindruck, dass sie dabei ist die Welt zu entdecken. Sie geht gerne in fremde Wohnungen und an ihr unbekannte Orte. Natürlich müssen Spaziergänge und Ausflüge an ihren körperlichen Zustand angepasst werden.

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Tanja läuft, trotz Arthrose eines Schultergelenks, wenn auch gemächlich und hinkend, noch mehr als eine Stunde täglich.

Schon des Öfteren fragte ich mich, ob ich ihr nicht zuviel zumute. Immerhin ist sie jetzt mindestens 15 Jahre alt. Doch sobald ich im Begriff bin, das Haus zu verlassen, erwacht sie aus dem tiefsten Schlummer, stellt sich wedelnd neben mich und sieht mich eindringlich an. Ihre Freude zu sehen und zu erleben wie sehr sie ihr Leben genießt, ist so rührend.

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Viele Grüße
Birgit mit Michael, Tanja und Sugar

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