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Ein kleiner Kater erzählt

Wenn du doch meine Sprache verstehen könntest. Dann würde ich dir was erzählen.
Ich bin ja erst seit 2 Tagen bei dir und deine Sprache kenne ich auch nicht.

Vor 2 Tagen war alles noch so schön für mich. Da gab es viel Fell und Pfoten um mich herum.

Ich konnte mich mit meine Geschwistern unterhalten. Wir sind gaaaaaaaaaanz viel dort durch unser Zuhause gerannt. Haben auch Verstecken gespielt oder uns einfach in der Luft angesprungen.

Wenn ich müde war, war auch mindestens einer müde. Mit dem konnte ich dann gaaanz dolle und gaaanz nah kuscheln.

Ich habe meinen Kopf auf den Bauch meines Bruders gelegt und konnte seinen Herzschlag hören, ja, sogar merken wenn er träumte. Dann haben seine Beinchen gezuckt und die Pfoten gewackelt, auch hat er im Schlaf mal geschnurrt oder Miaut.

Wir haben uns oft gegenseitig das Fell geleckt und das bis zum Einschlafen.
Meist lagen wir alle zusammen auf einen Haufen. So eng, das ich manchmal selber nicht wusste, ob das mein Schwanz oder meine Pfote war, die ich putzte.
Es war so schön weich und warm, wenn wir alle dicht zusammenlagen.

Hunger hatten wir nie. Denn da gab es ja noch unsere Mama. Sie war noch weicher und noch wärmer. Und sie hatte warme Milch für uns. Sie hat uns immer geputzt und auch zum Klo gebracht.

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Mit ihr und den Anderen zusammen konnten wir viel erleben. Wir konnten uns anknurren oder schnurren, spucken und fauchen, auf unseren Krallen und mit rundem Rücken, sowie mit dickem Schwanz uns umschleichen, um dann wieder wegzurennen, um uns zu verstecken.
Zusammen haben wir keine Angst gehabt, etwas Neues zu entdecken.

Raufen konnte ich, Mensch, wenn du das gesehen hättest was das für einen Spaß gemacht hat!
Wir bekamen dann auch anderes, leckeres Essen als nur die Milch unserer Mama.
Zusammen mit den Anderen hat es mir immer gut geschmeckt.

Und plötzlich war alles anders!

An einem schönen sonnigen Tag, ich hatte mir gerade das Bäuchlein vollgeschlagen und lag mit meinem Lieblingsbruder am Fenster auf einem weichen Bettchen und träumte so vor mich hin, träumte davon bald mit meinem Bruder im Garten spielen zu können, da kamst du und noch Einer mit dir zusammen.

Du und der noch Einer sprachen mit der Frau bei der wir wohnten.
Dann kamst du und der Einer auf uns zu und sprachen mit uns. Es hörte sich an wie singen und flüstern. Und "Oh wie süüüüüß" sagtest du immer wieder.

Dann beugtest du dich über mich und nahmst mich zu dir hoch. Und der Einer nahm meinen Bruder hoch. Mein Bruder biss den Einer und der lies meinen Bruder dann wieder runter.
Ich schnupperte an dir und dein Geruch war nicht schlecht aber fremd. Ich war irgendwie sehr ruhig und wusste nicht, was ich tun soll.
Du sagtest zu dem Einer „Schau mal wie lieb der ist und wie hübsch!“
Der Einer sagte „Ok, den nehmen wir mit!“ was auch immer das bedeuten sollte.

Dann stecktest du mich in eine etwas dunkle Tasche. Ich konnte durch ein kleines Netz noch einen letzten Blick auf meinen Bruder werfen. Dann nahmst du mich mit.

Es wackelt und brummte eine lange Zeit und dann kamen wir dort an wo ich nun bin. Als ich aus der Tasche genommen wurde lief ich sofort unter etwas was du Sofa nennst.

Du stelltest mir Futter vor das Sofa und dann noch ein Klo. Dann war ich unterm Sofa und hatte so sehr Angst. Gibt es noch eine Tasche wo dann mein Bruder auch rausklettert und dann zu mir unters Sofa kommt?

Ich wartete, ich wartete und zitterte, ich wartete und ich bekomme mehr Angst und ich trau mich nicht ein Miau loszulassen. Dabei schreit da ein Miau in mir. Aber es kommt nicht raus. Ich bin wohl stumm geworden.

Ich bin müde und mir ist kalt, so innen drin. Nun würde ich so gerne mit meinem Bruder kuscheln, sein Herz hören und sein Fell spüren und lecken. Mich an ihn kuscheln und seine Träume fühlen. Und all seine anderen Geräusche.

Ich habe Hunger, aber ich will nichts essen. Ich will meinen Bruder und die anderen Geschwister.

Ich muss mal, aber ich gehe auf keinen Fall zu dem Klo. Hier sieht alles so anders aus und es riecht so anders. Ich gehe mehr unter das Sofa, denn ich muss mal, jetzt sofort!!

Wenig später wird das Sofa weggeschoben und ich werde ins Klo gesetzt. Nur jetzt muss ich nicht mehr und ich renne unter einen Schrank. Da verstecke ich mich.

Der Einer sagt zu dir „ Der sollte doch angeblich sauber sein!“
Du sagst: „Der Kleine braucht noch Zeit!“

Ich sage, dass ich einsam bin und Angst habe. Aber keiner hört mich an.
Ich sage, dass ich alleine sein möchte, weil ich dann essen möchte. Aber ihr hört mich nicht, denn ich sage es innen drin zu mir selber.
Dann gehst du und der Einer endlich raus. Ich warte auf meinen Bruder, aber der ist noch nicht hier. Warum nicht?

Ich esse etwas und versteck mich wieder. Ich bin müde, aber total aufgeregt. Trotzdem bin ich so traurig das ich nun mein Miau rauslassen kann, weil ich nicht anders kann. Es kommt ein Miau nach dem Anderen. Ganz laut und so habe ich mich selber noch nicht gehört. Ich schreie richtig!!!

Ich habe eine Nacht geschlafen. Die erste Nacht ohne meinen Lieblingbruder, die erste kalte Nacht alleine unter den Sofa.

Ohne weiches Fell und schöne Gefühle. Kein Bruder und keine anderen Fellchen die mit mir spielen und an denen ich mich ankuscheln kann. Das war die längste und schlimmste Nacht meines kleinen Lebens.

Du, du neue Frau, du bist immer wieder ins Zimmer gekommen und hast unter das Sofa geschaut. Hast versucht mich zu locken und mit mir geredet. Das hat mir weiter noch mehr Angst gemacht.

Ich konnte von meinem Platz aus sehen, dass dort diese Tasche stand, mit der ich gekommen bin. Trotz aller Anstrengung zu lauschen, ob da bald auch mein Bruder rauskommt, konnte ich nichts hören.

Ein Ticken und andere fremde Geräusche hörte ich. Ein Miau von meinem Bruder war nicht dabei.

Essen wollte ich inzwischen, aber es passte nichts in meinem Bauch rein. Der war immer noch voll.
Da waren die ungerufenen Miaus und das Warten auf meinen Bruder drin. Ja, so voll aber doch ganz komisch leer war es in mir und kalt.

Du Frau hast mich hin und wieder aufgehoben und mir das Essen unter die Nase gehalten. Ich habe etwas davon in mein Mäulchen genommen aber das Runterschlucken viel mir sooooo schwer. Das Essen rutschte kaum an den Kloß vorbei, der mir im Hals steckte.
Wo der wohl herkam???

Jetzt kamen wieder die über Nacht angesammelten Miaus aus mir raus. Lauter wie je zuvor.
Ich wurde von der Frau gestreichelt aber das will ich doch nicht.

Also flitzte ich wieder unter mein Sofa.

Dann kam der Einer rein, den du, du Frau, auch Michael rufst.

Michael fragt, ob der Kleine was gefressen hat. Er sagt zu dir Schatz.
Du bist also die Schatz?

Du sagst: "Ach nein, er hat fast nur geleckt am Futter!"

Michael fragt: "Was machen wir denn nun?"

Schatz sagt: "Wenn er bis morgen nicht ißt müssen wir wohl zum Tierarzt!"

Was auch immer das bedeutet. Ich habe kein gutes Gefühl dabei.

Ich habe viel geschlafen und fühle mich auch so richtig müde. Kein Fellchen, an das ich mich kuscheln kann, und keine Pfote, die mich berührt, und kein Herz, das ich nah an meinem Ohr schlagen hören kann.

Einfach nichts da!!!!!!!!!!!

"Miau, Miau" ,weine ich, und das so lange, bis ich wieder einfach umkippe und schlafe. Wie lange ich geschlafen habe, keine Ahnung.

Ich werde wach und höre wie der Michael sagt: "Guten morgen, Schatz."
Er fragt, ob ich über Nacht was gefuttert habe, und du Schatz sagst traurig nein.
Es sei nun der dritte Tag an dem ich nichts gegessen hätte und auch nicht Pipi oder sonstwas gemacht hätte.

"Michael, komm, wir fahren jetzt zum Tierarzt", sagts du Schatz.

Michael sagt: "Hmm, okay!"

Du nimmst die Tasche und Michael greift mich so fix, dass ich keine Zeit oder auch Kraft habe, um mich tief unterm Sofa zu verstecken.

Schon stecke ich in der Tasche und habe nichts mehr, was ich rufen könnte. Nichtmal ein Miau kommt aus meiner Kehle. Ich schlafe ein und werde wach, als die Tasche aufgemacht wird.

Um mich herum riecht es sehr komisch und ein fremder Einer, zu dem du Schatz Herr Doktor sagst, schaut mich an.

"Wie alt ist denn der Kater?" Fragt er.

Michael sagt "14 Wochen."

"Was wiegt er denn?", fragt der Fremde.

Schatz sagt: "Er hat vor 3 Tagen 1300 Gramm gewogen."

Der Fremde greift mich und setzt mich auf etwas und sagt: "Dann wiegen wir ihn mal jetzt."
Oh, sagt der Fremde: "Er wiegt 1000 Gramm, dann hat er aber viel abgenommen!"
Er schaut mir in meinen Mund, in meine Ohren und steckt etwas kaltes in meinen Popo.

"Also", sagt der Fremde, "er hat wohl sonst nichts. Alles scheint ok zu sein."

Du sagst: "Aber er frisst einfach nichts!" Und deine Stimme klingt so zitterig dabei. Aus deinen Augen tropft etwas auf mich runter.

Der Fremde, den ihr Herr Doktor nennt, fragt,  ob ich denn ohne Kumpel leben würde.
Kumpel? Das Wort kenne ich nicht.

Michael sagt, dass ich keinen habe. Du Schatz sagst: "Nein, wir wollten einen Kater."
Der Herr Doktor sagt, dass das wohl das Problem sei. Ich sei halt alleine und deshalb wäre das so. Es könnte halt noch dauern, bis ich dann wieder fresse. Aber alleine wäre ich dann trotzdem.

Ja, ich bin alleine, ist es das was in meinem Bauch und Hals steckt? Alleine sein.
Tut das so weh, dass ich nur schreien möchte?

Du Schatz nimmst mich und steckst mich wieder in die Tasche. Michael sagt nichts.
Als ich dann wieder unter Sofa bin höre ich Schatz und Michael reden. Aber ich kann euch nicht verstehen, ihr seit nicht im Zimmer.
Dann schlafe ich ein.

Ich werde wieder wach und es scheint eine weitere Nacht vergangen zu sein. Meine Beine haben keine Lust, mit mir aufzustehen. Die schlafen wohl noch.

Dann kommst Du rein. Du hast etwas am Ohr und in der Hand. Michael kommt auch rein und sagt zu dir: "Guten Morgen, Schatz."

Du redest mit dem Ding in deiner Hand und am Ohr. Dann sagst du was zum Michael.
Er sagt: "OK. Den Beißer wollte wohl keiner, deshalb ist er noch da."

Du sagst: "Egal. Komm wir fahren jetzt."

Michael nimmt wieder diese Tasche.
Oh nein; muss ich wieder zu diesem Tierarzt?
Ich will aber nicht und rutsche tief unter das Sofa.

Michael beugt sich runter und schaut mich an. Er sagt: "Wir müssen weg und du bist lieb, OK?"
Dann gehst du und Einer weg.

Ich bin erschrocken. Jetzt bin ich aber ganz allein unterm Sofa. Miau und Miau und noch lauter Miau. Keine hört mich. Was soll das?

Also schlafe ich ein. Tief und fest und ich träume sogar.
Ich träume dass ich das Herz meines Bruder höre und sein Fell spüre. Ich träume, dass mein Fell geleckt wird und ich rieche im Traum sogar meinen Bruder. Ja, ich träume so tief und höre echt seine Stimme!
Ich möchte nicht mehr aufwachen, so schön ist der Traum.

Dann werde ich aber etwas geschüttelt und das Sofa wird über mir weggeschoben.
Ich wache auf!!!!

Nein, ich wache wohl doch nicht auf und träume weiter. Ich träume, dass mein Bruder neben mir sitzt und mein Fell leckt.

Ich werde verrückt, ich bin wach! Es ist kein Traum, bitte lass es kein Traum sein!!!!

Mein Bruder haut mir seine Pfote auf die Nase, er miaut und schnurrt mich laut an.
Ich kann es nicht fassen. Er ist da!

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Mit freundlicher Genehmigung von
Christine Marquardt, Text (©)
H. Eberle, Photos (©)

 

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