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Tierärzte helfen - Teneriffa 2005
von Ellen Schöner

Tierärzte helfen - Teneriffa 2005

Tierärzte helfen - Teneriffa 2005
So, jetzt soll ich hier einen Bericht schreiben…

Über meinen Aufenthalt in Teneriffa, über meine freiwillige Mithilfe als Tierarzt bei der Tierschutzorganisation APRAM in Tacoronte, im Norden der Insel.

Da ich eine saisonal abhängige Doktorarbeit in München schreibe, bei der ich im Winter nicht recht weiterkomme, entschied ich relativ spontan, mir eine Arbeit zu suchen, eine Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun. Wenn das Ganze noch unter südlicher Sonne war— umso besser!

Innerhalb von drei Wochen, solange brauchte ich nämlich von der Entscheidung bis zur Abreise, lernte ich einiges über mein zukünftiges Reiseziel, vor allem auch, dass Teneriffa. NICHT die Nachbarinsel von Mallorca war, wie ich zuvor geglaubt hatte… ;-)

Am 2.11. kam ich dann endlich auf der Insel an. Nach den ersten kühlen Tagen im Oktober war ich überrascht, wie schön warm es hier war—und dabei hatte man mich vor kühlem Winterwetter gewarnt. Doch ich sollte die Erfahrung machen, während die Kanaren oft mit Winterjacke und Pelz herumliefen, hatte ich ein T-Shirt an und ging im Meer schwimmen.

Die Leiterin des Vereins APRAM, Marianne Jakob, holte mich vom Nordflughafen Teneriffas ab und erzählte mir kurz einiges über die Insel. Unterwegs dann aber die deutlichste und lebensnaheste Einführung in die Kultur der Insel und dem Umgang mit Tieren:

Wir lesen auf der Strasse gleich einen Straßenhund auf.

Ein halbverhungertes Skelett, nur noch Haut und Knochen, das kaum noch auf den Beinen stehen kann. Ich nehme für den Rest der Fahrt das arme Tier auf den Schoß - und natürlich wird der Hund auch gleich nach mir benannt. Fortan heißt dieser weibliche Podenco Canario, den wir da aufgelesen haben, „Ellen“.

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Die Podencos sind die üblichen Jagdhunde auf Teneriffa, mit deren Hilfe Kaninchen erlegt werden. Bis Mitte November geht die Jagdsaison, und dabei geht es bei den Hunden auch ums Überleben. Denn jeder Hund, der zu alt, schwach oder unmotiviert ist, um ein guter Jäger zu sein, wird von den Jägern in den Wäldern oder dem wüstenähnlichen Krater des Teidevulkans ausgesetzt, wo die Tiere verwahrlosen, abmagern und schließlich verhungern.

Bei uns im Tierheim von APRAM, mit seinen geräumigen und sauberen Zwingern ein echtes Vorzeigetierheim, bekam Podenco Ellen nach ihrer Entflohung aber erst einmal einen großen Napf zu fressen und ein schönes warmes Hundebettchen — worauf sie sich glücklich und erschöpft erst einmal zusammenrollte.

Für mich hingegen ging es aufregend weiter, denn auf mich wartete gleich am ersten Tag ein volles Arbeitsprogramm. Als Prophylaxe gegen Herzwürmer mussten alle Hunde des kleinen Tierheims, um die 25 Tiere, eine Ivomec- Spritze bekommen. Was bei einigen schüchternen oder aggressiven Tieren in einen echten Ringkampf ausartete!

Danach wollte ich mich erst einmal ausruhen, doch Tierpflegerin Andrea kam angerannt, voller Sorge, denn der Rottweiler Hündin Bella ging es eine Stunde nach dem Fressen gar nicht gut. Bella war sonst ein sehr aufgeregter und sehr spielfreudiger Hund, und jetzt lag sie nur noch apathisch auf ihrer Decke. Ich rannte sofort hin, um sie zu untersuchen.

Der Rottweiler keuchte und speichelte wie verrückt — aber die Art wie Bella sich hingehockt hatte, diese typische Stellung, die den Bauch entlastet, gab mir den entscheidenden Hinweis. Sie musste sofort in eine Tierklinik, vielleicht auch operiert werden, denn es sah mir ganz nach einer Magendrehung aus!

Dass dieser Hund sehr litt, merkten wir auch kurz darauf, als wir Bella in ein Auto setzten. Die Hündin war bekannt für ihre panische Angst vor Autos, und nun ließ sie sich widerstandslos in eines verfrachten!

Letztendlich konnten wir Schlimmeres verhindern, weil wir so schnell reagiert haben, denn die anfängliche Magendrehung ließ sich noch mit Medikamenten behandeln, der Hund musste nicht operiert werden. Aber ich war natürlich stolz wie Oskar, eben erst angekommen, und schon hatte ich mir, unbeabsichtigt, am ersten Tag schon Lob und Anerkennung eingeheimst.

Der erste Tag war somit ein sehr ereignisreicher und aufregender Tag für mich gewesen. Und so ist es am ersten Abend auch kein Problem für mich, im Tierheim zu schlafen.

Auf einer Ausziehcouch schlief ich direkt neben dem Zwinger… eine ganze Woche konnte ich das durchhalten, aber selbst bei meiner Erfahrung als Camper erwies sich diese Lösung nach einigen Tagen als sehr gewöhnungsbedürftig und unbequem.   

Natürlich, die Unterkunft im Tierheim war umsonst, einer meiner Ansprüche daran, hier freiwillig zu Arbeiten, aber es musste eine andere Lösung gefunden werden! Doch dieses Problem wurde von den Mitgliedern von APRAM ganz wunderbar gelöst.

Ich bekam einige kostenlose Unterkünfte, bei Freunden des Vereins, mit einem wunderbaren Blick auf das Meer und den Teidevulkan, oder auch in dem ganz herrlich gelegenen, untouristischen und romantischen Fischerdorf El Pris. Und ich durfte auch einige Tage auf der wunderbaren Finca der Mitarbeiterin Paola wohnen, die fast 30 Straßenkatzen aufgenommen hat—was Bauernhofromantik mit Bananenbäumen und Kaminfeuer in den Bergen Teneriffas bedeutete.

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Für meine Verpflegung habe ich selbst gesorgt, dennoch wurde ich oft zum Essen eingeladen, erhielt Obst (Orangen, Avocados), Gemüse (Chillies), Brot und Eier von den Mitarbeitern. Aber auch im Supermarkt konnte man sich billig selbst verpflegen. Im Vergleich zu München kam man wesentlich billiger weg und vor allem, es gab dort frischen Fisch in rauen Mengen, mit einem Kilopreis von 4-5 Euro. Da ich frischen Fisch liebe, war es fast wie im Paradies.

Ebenso wunderbar war der Bauernmarkt am Wochenende in Tacoronte. Frisches Obst und Gemüse, scharfe Mojo- Soßen, leckerer Ziegenkäse, frisch gebackenes Brot und guter Bauernrotwein.

In den folgenden Wochen war mein Alltag davon bestimmt, die tägliche Versorgung der Hunde im Tierheim von APRAM mit zu übernehmen. Das hieß, ich half beim Käfigputzen, gab Impfungen, Wurmkuren, behandelte gegen Flöhe und bekämpfte Ohrmilben, meine Aufgabe war es, Tabletten einzugeben und Behandlungen fortzuführen und natürlich auch solche Dinge wie eingewachsene Krallen zu entfernen. Zudem half ich bei der Sozialisierung der Straßenhunde, spielte mit ihnen und ging mit ihnen Gassi.

Dabei lernte ich bei meiner Arbeit mit Hundetrainerin Andrea viel über das Verhalten der Hunde und über ihr
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Training und den richtigen Umgang mit ihnen.

Zu meinem größten Bedauern stirbt uns in den folgenden Wochen auch der Podenco Ellen, den wir bei meiner Ankunft aufgelesen hatten. Und dabei hatten wir den schwachen und abgemagerten Hund so schön wieder aufgepäppelt!

Sie lief auch schon an der Leine und zog genauso wie die anderen Hunde, sie lag nicht mehr so kraftlos wie am Anfang den ganzen Tag über in ihrem Körbchen — und dann, eines Tages, plagte sie unstillbares Erbrechen und sie hatte Blut im Urin. Die Todesursache, die uns die Tierärztin später mitteilt, lässt mich leider bis heute völlig unbefriedigt.

Doch es blieb nicht lange Zeit für Trauer:

Es gab immer viel zu tun und genug Hunde, die es zu versorgen und zu bemuttern galt.

Dann, genau an meinem Geburtstag, zog der verheerende Tropensturm „Delta“ über Teneriffa und richtete große Verwüstungen in Höhe von 300 Millionen Euro an.

Nachts heulte der Sturm gewaltig, es war ein derartiges Tosen, dass ich mich wahrhaft zitternd unter meiner Bettdecke verkroch!

Telefon-, Handy- und Strommasten waren wie Streichhölzer umgeknickt, Dächer abgedeckt, Bäume überall entwurzelt und Wasserleitungen verschüttet.

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Teile von Tacoronte, ja große Teile der ganzen Insel, darunter auch El Pris, wo ich wohnte, waren tagelang ohne Strom und ohne Wasser.

Nun ja, ich bin Camping gewohnt und nahm die 5 Tage ohne Strom als Teil meines Teneriffa- Abenteuers. Zum Duschen und Baden fuhr ich runter ans Meer zum Strand, so wie viele andere Leute. Das Schlimmste an der Sache war lediglich, dass kaum ein Laden mehr geöffnet hatte (kein Strom!) und dass ich nicht warm kochen konnte —zeitweise fürchtete ich schon, verhungern zu müssen…

Trotz all dieser Verwüstungen hatte ich einen wunderschönen Geburtstag, denn abends wurde ich sogar zum Essen eingeladen, bekam Geburtstagskarten und Schokolade…

Für die Essenseinladung mussten wir dann zwar die halbe Insel umrunden, um ein Lokal mit Strom zu finden, doch ich bekam dort sogar einen Geburtstagskuchen und der Ober sang mir ein Ständchen—obwohl wir alle etwas wild, ungeduscht und unrasiert aussahen…

Vielen Dank. Das war ein herrlicher und unvergesslicher Abend!

Die verbleibenden Tage ohne Strom wurden mit guter Nachbarschaftshilfe gelöst, dem Austausch von Kerzen und Gaslampen, womit man die Dunkelheit eben auf romantische Art überstehen konnte (immerhin, es war Advent!).

Kaum hatten wir wieder Strom, als auch schon die große, 2-wöchige Kastrationsaktion für Straßentiere anlief. Das Material hierfür (Nahtmaterial, Medikamente) wurde vom Projektpartner von APRAM, dem deutschen Tierhilfswerk, zur Verfügung gestellt, die Kastrationen selbst fanden in einem gereinigten und desinfizierten Zwinger des Tierheims in Tacoronte statt. Beteiligt waren 3 Tierärzte, Petra, die sozusagen die Leitung übernommen hatte, Inken, die Tierärztin vom Tierhilfswerk und ich.

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Petra & Inken

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Zu dritt schafften wir es, 55 Tiere, Hunde sowie Katzen, in einem Gewaltakt zu operieren, wobei wir fast 12 Stunden am Tag gearbeitet haben.

Da wir auch die Straßenkatzen des Fischerdorfes El Pris unentgeltlich kastrierten, wurde uns dann auch eine gemütliche Unterkunft in diesem romantischen Fischerdorf zur Verfügung gestellt.

Und mehr als einmal waren wir in die dortige urige Fischerkneipe eingeladen, mit frischem Fisch, den berühmten Papas Arrugatas (in Meerwasser gekochte kanarische Kartoffeln) und natürlich soviel Rotwein, wie wir vertragen konnten (mehr oder weniger…).

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Unser OP-Besteck, bereit zum Abfackeln: Wir haben es in Alkohol getränkt
und dann angezündet, um es zu sterilisieren

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Und während unserer Kastrationsaktion haben die Mitglieder des Vereins, allen voran Pam und Derek Worrallo, Taxiservice, Lieferservice (Medikamente, Nahtmaterial) und Pizzaservice gespielt und immer für frische Sandwiches gesorgt.

Aus diesen arbeitsreichen Tagen ist mir vor allem ein Abend in Erinnerung.

An diesem Tag war nicht nur das deutsche Fernsehen zu Besuch, um über unsere Kastrationsaktion zu berichten, nein, es sollte an diesem Abend auch die Weihnachtsfeier des APRAM-Vereins stattfinden, zu der wir eingeladen waren.

Leider kam es nie dazu…

Einer der Hündinnen, die wir an diesem Tag kastriert hatten, wurde im Laufe des Abends immer blasser und kühler. Es war eindeutig, dass sie wohl eine innere Blutung hatte — ausgerechnet der Lieblingshund von Juan, der auf seiner Finca große Hunde für APRAM aufnahm. Die kleine Pekinesendame war dem Spanier richtig ans Herz gewachsen, ein enormer Verlust, wenn er sie verlieren sollte. Mit einem sehr schlechten Gefühl entschieden wir uns schließlich dafür, die Bauchnaht der Hündin noch einmal zu öffnen und nach der inneren Blutung zu suchen, um sie zu stoppen. In diesem Moment hatte das Tier bereits nur noch 33 Grad Körpertemperatur und lag im Koma. Allerlei Wärmflaschen und Infusionen hatten wir um sie aufgebaut, während wir sie operierten.

Und sieh einer an, wir fanden die Blutung tatsächlich und konnten sie abbinden. Leider hatte der Hund soviel Blut verloren, dass es uns trotz dieses Erfolges unwahrscheinlich erschien, dass er noch mal aufwachen konnte. Genau in diesem verzweifelten Moment, OP gelungen, aber Überleben zweifelhaft, kamen einige Mitglieder des Vereins herein — zusammen mit Juan, der an diesem Hund so hing. Sie alle hatten auf das Festessen bei der Weihnachtsfeier verzichtet und standen nun mit uns bangend im Zwinger, mit uns um die Rotlichtlampe, die den kleinen Hund wärmte.

Eine Sache konnten wir noch versuchen, eine Bluttransfusion. Das war ja bei Hunden einfacher als bei Menschen, da ihnen die erste Bluttransfusion nicht viel ausmachte, der anaphylaktische Schock, der bei Menschen bei Unverträglichkeit auftritt, kommt bei ihnen in  den meisten Fällen erst beim zweiten Mal vor.

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Leider waren alle großen Hunde im Tierheim viel zu unruhig und aufgeregt, um die 5 Minuten, die es braucht, um 200 ml Blut aus der Halsvene eines Hundes zu entnehmen, stillzustehen. Kurzerhand fragten wir Derek, eines der Mitglieder von APRAM, ob er uns wohl seinen Pflegehund Murphy zur Verfügung stellen würde, denn Murphy war so ruhig und folgsam, er würde keine Probleme machen!

Und wirklich, ohne Schwierigkeiten konnten wir das Blut entnehmen, in einem abgetrennten Raum, weg von der Aufregung im OP- Zwinger, und wir behandelten unser gewonnenes Blut pfleglich, hielten es warm und schwenkten es leicht, um es mit dem Antigerinnungsmittel zu vermischen.

Dann, endlich, konnten wir es dem sterbenden Hund verabreichen… Gespannt hockten wir daneben und beteten darum, dass die seltenen Komplikationen ausbleiben würden.

Doch wir hatten Glück. Der Hund erholte sich in der nächsten Stunde spürbar und schließlich erwachte er aus seinem Koma, reagierte sogar auf die Ansprache durch seine Pfleger, besonders Juan. Das war ein wundervolles Geschenk für uns, die plötzliche Freude, die alle Menschen um uns herum erfüllte. Erleichterung ergriff uns, zusammen mit einem gewaltigen Hungergefühl, das wir jetzt erst spürten.

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Da auch die anderen nichts gegessen hatten, beschloss man kurzerhand, dass jemand zur besten Pizzeria des Ortes hochfahren sollte, um Pizza zu holen.

Und so beschlossen wir den Abend: der kleine Pekinese, in seinem Körbchen, der schon wieder erschöpft sein Köpfchen hob und glücklich Juan ansah, und wir um ihn herum, in diesem zum OP umfunktionierten Zwinger, mit Pizzastücken in der Hand.

Und eine Sache war uns drei Tierärzten in diesem Moment klar: Für die anderen waren wir an diesem Abend die Helden des Tages.

In der Nacht nahmen wir den Hund mit zu uns in die Wohnung, um ihn unter Beobachtung zu halten. Das Körbchen, das wir ihm anboten, wurde aber verschmäht — obwohl der kleine Kerl so wackelig auf den Beinen war, lief er dennoch in der Wohnung herum, um den besten Platz zu finden. Und den fand er schließlich, neben mir auf der Schlafcouch, auf meinem Kopfkissen. Glücklich rollte sich der Hund dort ein, und schenkte auch mir einen beruhigten und befriedigten Schlaf.

Dieses freudige Ereignis, das Überleben des kleinen Pekinesen, führte am nächsten Abend dazu, dass wir noch einmal zum Essen eingeladen wurden — von Juan, der Armeekoch ist. Nachdem wir uns überzeugt hatten, dass der kleine Hund tatsächlich wieder auf den Beinen ist und ihm außerdem noch eine Antibiotikaspritze verabreicht hatten, konnten wir soviel Essen wie wir wollten. Es gab alles Mögliche aus der kanarischen Küche — und Juan hatte für uns auch noch eine Torte gebacken.

Zum krönenden Abschluss des Tages war uns sooo schlecht… :-)

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Das Tierheim-Team

Ab und zu haben wir es bei schönem Wetter (das Wetter war auch so eine Sache, es gab dieses Jahr auf Teneriffa einen sehr verregneten November und Dezember. Von wegen Insel des ewigen Frühlings!) haben wir es auch an den Strand von Mesa del Mar geschafft.

Das ist ein herrlicher schwarzer Sandstrand an einer Steilküste, einsam und an einer schönen Bucht.

Mit 22 Grad hatte das Wasser zwar eine nur kühle Badetemperatur (die Luft wärmte sich fast nie auf über 25 Grad auf), aber die Begegnungen mit einem Schwarm Barrakudas beim Schnorcheln entschädigten für das unkontrollierte Schlottern, wenn man wieder an Land kam.

Bevor wir früh mit dem Arbeiten anfingen, gingen wir erst noch mal in das kalte Meerwasser des Meerwasserpools in El Pris. Der war keine 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt.

Wir waren schon eine Show:
Jeder in diesem 200 Seelen Ort kannte uns Tierärzte und wie wir da morgens mit Morgenmantel und Schnorchel und Flossen zum Meer pilgerten, war wohl ein Bild für die Götter.

Dennoch, die Bewegung im Wasser tat unserem schmerzenden Rücken sehr gut — denn jeden Tag 12 Stunden über dem improvisierten OP- Tisch in diesem Zwinger zu stehen, ging uns teilweise an die (Knochen-) Substanz.

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Ich selbst hatte auch ab und zu Zeit für Wandertouren auf der Insel, durch die herrlichen feuchten Lorbeerwälder im Anagagebirge, auf den wüstenartigen Canadas des Teidevulkans oder auch in der Masca Schlucht. Und auch das Tauchen hat sich gelohnt, herrliche Sicht mit über 30 Metern, eine lustige und witzige Truppe von der Tauchschule und die wundervollen und beeindruckenden Unterwasser- Lavabrücken, Höhlen und Steilabbrüche… Lavaformationen in allen Variationen.

Und überall unter Wasser Schwärme bunter Papageifische (Veijas, die auch in der Pfanne lecker schmecken), Meerpfauen, am Grund große Stechrochen, in den Felsspalten gefährlich aussehende Muränen und über dem allen, wenn man aus den Lavaspalten wieder ins Sonnenlicht tauchte, beeindruckende, 1,5 Meter lange Barrakudas, herrliche, anmutige Raubfische.

Ich habe also unglaublich viele Erfahrungen gemacht, interessante Leute kennen gelernt, darunter echte Kanaren, Auswanderer, Aussteiger, Verlierer und Gewinner… Und auch das Leben der Fischer in einem Fischerdorf(die Kneipe schließt jeden Tag schon um halb zehn abends, da die Fischer um drei wieder zum Fischen gehen!).

Leider geht es mit der Romantik in dem beschaulichen Fischerdorf El Pris jetzt dem Ende entgegen. Denn die Lokalregierung will dort mit aller Gewalt ein Abwasserrohr durchsetzen (nachdem man die vor Jahren mit teuren EU- Geldern gebaute Kläranlage noch immer nicht in Betrieb gesetzt hat!), das in den Hafen des kleinen Ortes sämtliche ungeklärte Abwässer der ganzen Region einleitet.

Das wäre das Ende des wenigen und ruhigen Tourismus in diesem Ort, das Ende der Fischerei mit den kleinen Booten dort und das Ende der kleinen, urigen Fischerkneipe, in der wir einige glückliche Stunden verbracht haben. Mit einem Schlag wäre die Lebensgrundlage dieses 200- Seelen- Dorfes zerstört!

Ich habe die Leute kennen gelernt, die um ihren Ort kämpfen. Sie haben überall Wachen und Spähposten aufgestellt, falls sie Bagger anrollen.

Und dann wollen sie wieder, wie schon vor 2 Jahren, all ihre Boote auf die Strasse stellen und sie blockieren. Und wenn die Guardia Civil wieder zur Räumung anrückt, werden wieder alle Frauen und Kinder gegen sie marschieren. Dann wird wieder der Terror von Seiten der Regierung beginnen, die Erpressung und das Abstellen von Abwasserentsorgung, Strom und Wasser—um die Leute unter Druck zu setzen.

Sie werden um ihren wundervollen Ort kämpfen, aber ich bezweifle, dass sie gewinnen können. Und das wäre sehr schade um dieses Dorf, das noch so unverdorben ist vom Tourismus, der ganze Landstriche Teneriffas verwüstet hat.

Die Arbeit mit den Tierschützern auf Teneriffa war im langweiligsten Fall amüsant und unterhaltsam, im spannendsten Falle dagegen ein regelrechtes Abenteuer. Unter anderem war ich auch dabei, als einige Mitglieder in einer abenteuerlichen Aktion einen geliebten, verstorbenen Hund illegaler Weise im Bergwald begruben.

Auf den schlaglochübersäten Waldwegen, die kaum ihren Namen verdienten, mit einem nicht geländegängigen Kombi entlang zurasen und dabei im Busch immer Ausschau nach eventuellen Verfolgern zu halten, war dann doch ganz schön nervenaufreibend (so was hatte ich dann nicht mal in Australien gehabt!). Und dann musste ich auch noch Schmiere stehen, falls die Polizei kam, während die anderen ihre Schaufeln schwangen…

Leider kann ich aber nicht nur Positives über den Tierschutzverein berichten, für den ich gearbeitet habe, vor allem, weil ich mich auch bemühe, ein ausgewogenes Bild zu zeigen.

Obwohl ich ein Außenstehender war, bekam ich dennoch einige der wohl in Vereinen üblichen internen Querelen mit. Ich hatte so etwas zum Glück noch vorher nicht mitgemacht, zumindest in dieser Form nicht, und hatte es bei einem solch kleinen Verein auch nicht erwartet. Ich war schockiert, wie sehr darunter zum Teil die Arbeitsatmosphäre litt!

Zum Wohl der Tiere, und aller Leute, die mit und für sie arbeiten, wäre es doch aber angeraten, auf gerade solche kindischen Machtstreitereien und Sandkastendiplomatie zu verzichten!

Aber, ich hatte es ja nur mit Menschen zu tun, und dazu kommt, und das weiß jeder, wir Tierschützer sind schon eine verrückte Rasse für sich!

Schluss endlich hatte ich nach 8 Wochen Arbeit doch endlich einige Tage Urlaub verdient.

Da der APRAM- Verein mir zum Geburtstag ein Geschenk gemacht hatte und mir meinen Rückflug nach Deutschland bezahlte, hatte ich finanziell noch die Möglichkeit, 4 Tage Urlaub im heißen Süden zu machen (wobei mich am ersten Tag, als hätte ich es geahnt!, ein heftiges Unwetter mit strömendem Regen begrüßte!).

Hier konnte ich noch einmal Wandern (im Barranco del Infierno mit Teneriffas einzigem Wasserfall), Tauchen (wobei ich sogar das seltene Glück hatte, Tintenfische bei der Paarung beobachten zu können!) und Whale Watching gehen (das Wasser im Meer kocht ja fast vor Getier und auf jeder Walbeobachtungstour hat man eine Begegnung mit den herrlichen Tieren oder ihren flinkeren Brüdern, den Delfinen).

Ich war begeistert, als sich bei meinem Ausflug auf das Meer eine große Pilotwalfamilie und eine noch größere Schule Streifendelfine (über 70 Tiere!) zeigte. Und ich hoffe sehr, mein Foto von den springenden Walen, im Hintergrund der Teidegipfel mit Schnee, wird etwas—es wäre perfekt.

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Noch am letzten Tag holte ich mir einen Sonnenbrand am Strand und es war traurig, als ich nach einem wunderbar warmen und sonnigen Heiligabend mit Sonnenbrand wieder heim ins kalte und nasse Deutschland fliegen musste!

Einen kleinen Vorgeschmack hatte ich ja schon bekommen, denn pünktlich zum heiligen Abend hatte es auf dem Teide geschneit und eine weihnachtliche Mütze bedeckte seinen Gipfel.

Darum ziehe ich nur ein Fazit aus dieser Reise:

Ich würde es jederzeit wieder machen und empfehle es jedem, der für das nächste Jahr noch keinen guten Vorsatz und vor allem noch nichts Sinnvolles vorhat!

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