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Strassenkastrationsaktion
Spanien, Region La Manga
Jedes Jahr im Februar 2004-2007

Ich wohne in Spanien seit 10 Jahren. Als ich hierher kam, hatte ich keine Idee davon, wie schlecht es den Tieren hier geht, wie wenig sie vielen Menschen wert sind und was für ein Elend das hier ist. Man bekommt es in Deutschland einfach nicht so mit.

Die spanischen staatlichen Tierheime sind ein Witz. Am Besten geht man da gar nicht rein - man bekommt die Bilder nie mehr aus seinem Kopf. Normalerweise werden die Tiere nach ein paar Tagen oder 2 Wochen eingeschläfert. Viele Tierheime füttern die Tiere bis dahin gar nicht oder kaum, und sie sitzen in der Kälte - oft verletzt und am Ende.

Einmal ging ich mit einer Freundin in eins der "besseren" Tierheime. Ein Hund lag auf dem Boden - angefahren und er wurde nicht behandelt. Man ließ ihn einfach liegen, bis die Zeit abgelaufen war, um ihn einzuschläfern. Er konnte nicht aufstehen, sein Rücken war gebrochen. Dadurch kam er nicht an sein Futter und Wasser und lag in seinen Exkrementen.

Wir haben drum gebettelt, ihn mitnehmen zu dürfen und ihn behandeln zu lassen. Sie gaben ihn uns nicht. Erst musste die normale Zeit abgewartet werden, 14 Tage, und dann konnte man ihn mitnehmen. Wir haben alles probiert. Nach 14 Tagen bekamen wir ihn endlich und brachten ihn zum Tierarzt. Er hatte Maden in seinen offenen Wunden, und es war zu spät für ihn. Er wurde eingeschläfert.

Es gibt hier bei uns auch nur Tierheime für Hunde - keine für Katzen. Das sind "Ratten", und um die kümmert man sich nicht.

Kein Spanier lässt sein Tier kastrieren - es sei natürlich, dass die Tiere Welpen bekommen, und es sei genauso natürlich, diese frischgeborenen Welpen danach in den Müll zu schmeissen, auf der Autobahn auszusetzen, zu erschlagen oder zu ertränken.

Wie oft habe ich darum gebettelt, einem Spanier seine Hündin oder Katze kostenlos kastrieren zu lassen - die 3 x im Jahr Junge warfen und dann auf der Strasse landen oder getötet wurden. Aber nie gab man mir eins der Tiere - man sah nicht ein, dass das eine bessere Lösung sei.

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Irgendwann konnte ich es nicht mehr ertragen und fing an zu überlegen, was ich tun könnte - meinen kleinen Teil. Nicht nur die Tiere aufzulesen - das hat ja eh kein Ende und löst das Problem nicht. Mit einer Freundin aus dem deutschen Tierschutz organisieren wir seit 3 Jahren einmal jährlich Kastrationsaktionen. Ein oder zwei Tierärzte aus Deutschland kommen hierher - wir organisieren das Geld, Unterkunft, Flug, Auto, Medikamente, Kostenerstattung für die Praxisvertretung und einen Raum zum Kastrieren. Dann wird alles kastriert, was uns unter die Finger kommt :-) Herrlich ;-)

Bei der letzten Aktion dieses Jahr im Februar haben wir 130 Katzen und 25 Hunde kastriert. Vornehmlich Katzen. Sie sind alle wild, und wir wollen noch mehr Nachkommen verhindern. Die Hunde kommen aus den Tierheimen/ Pflegestellen und warten auf Plätze.

Die Katzen werden mit Fallen eingefangen, und man muss sehr trickreich sein - sie sind manchmal mehr als schlau. Manche Katze geht erst nach zwei Wochen in eine Falle. Ich habe 4 Fallen zur Verfügung und fange damit Tag und Nacht ein - neben meinem 6-Tage-Job. Die Aktionen gehen jeweils ungefähr 8 - 10 Tage lang. Danach kann man nicht mehr, aber es entschädigt einen für Alles - All diese Tiere, die man kastriert hat, die danach glücklich und gesund sind, sich keine Krankheiten mehr einfangen und einem nie mehr weitere Jungen hinsetzen, um die man sich dann wiederum kümmern muss.

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Alle Tiere, die wir kastrieren, werden dabei entwurmt, entfloht, bekommen Augentropfen und ein Langzeitantibiotikum, das Infektionen verhindert. Zur Markierung schneiden wir ihnen die oberste Spitze eines Ohres ab und desinfizieren das gut. Sie bleiben in einer grossen Box und werden versorgt, bis sie wieder fit genug sind, rausgesetzt zu werden.

Ich sehe danach die Katzen immer wieder - sie sind glücklich, gesund, haben zugenommen und tolles Fell - und sehen einfach rundum nur gut aus. Keine hungrigen Katzenmütter mit hungrigen Katzenbabys mehr - für mich eine Erlösung und für die Katzen gewiss auch.

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Ich wohne in einem englischen Goflclub, der so gross wie Monaco ist. In 3 Jahren und 4 Kastrationsaktionen habe ich ca. 220 Katzen aus dem Club gefangen und kastrieren lassen - insgesamt waren es aus dem Club und Umgebung ca. 400 Katzen und 55 Hunde. Vor und nach den Aktionen fange ich noch jedes Weibchen ein, was ich finde. Die Katzen "verschwanden" davor immer. Nach vielen Gesprächen und vielen guten Worten hatte ich es endlich geschafft, dass diese Katzen in meiner Verantwortung sind und sie keiner mehr anfasst.

Man hat hier nicht geglaubt, dass sowas funktionieren würde.....ich ehrlich gesagt habe nicht geglaubt, dass ich es schaffen und durchhalten würde, alle Katzen einzufangen..... . Derweil bekomme ich für die Katzen das Geld vom Club gestellt.

Alle, wirklich alle Katzen hier sind jetzt kastriert, und es gibt keine Probleme mehr mit zu vielen, bettelnden und kranken Katzen - viele Touristen fühlten sich dadurch gestört, und das war noch mehr ein Grund, sie zu beseitigen.

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Ich füttere die Katzen bei - so haben sie immer ausreichend Futter und können endlich ein unbeschwertes Leben geniessen. Keine Katzenschwemme mehr jedes Frühjahr, jeden Sommer und Herbst (Katzen bekommen bis zu dreimal im Jahr Junge - jedes mal ca. 4 Stück). Nicht mehr nicht wissen, wohin mit all diesen Tieren - das ganze Elend ist vorbei.

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Besonders bei der diesjährigen Aktion haben wir jetzt auch viele Katzen in den umliegenden Dörfern eingefangen. So werden wir es das nächste Jahr auch weitermachen und uns durch die Dörfer hier arbeiten :-) Irgendwer muss ja diesen armen Tieren helfen, es macht ja sonst keiner. Und vielleicht lernt der eine oder andere Spanier oder auch Menschen anderer Nationen daraus.

Viele haben mich jetzt schon angesprochen und sind erstaunt, dass die Katzen danach leben und GUT UND GESUND aussehen. Besonders Spanier denken, dass es gegen die Natur ist und wir den Katzen einen wichtigen Teil ihres Lebens nehmen - aber nein - wir geben ihnen ein besseres Leben. Viele Menschen hier sind auch unheimlich dankbar und froh, dass endlich mal eine bessere Lösung gefunden wurde.

Und so hoffe ich einfach, dass sich langsam etwas ändert, damit die Tiere auch endlich ihr kleines Recht auf ihr Leben bekommen. Wir Tierschützer sollten einen großen Teil unserer Arbeit darauf verwenden, weitere Nachkommen dieser eh schon Unmengen an Tieren zu verhindern - es gibt nicht genug Plätze für all diese Tiere.

Ich habe es jetzt hier bei mir im Club gesehen - ein großer, wohlhabender Club (wirklich die Größe von Monaco), der seit 30 Jahren besteht und nie das Problem der Katzenpopulation in den Griff bekommen hat (wie auch - "Verschwinden lassen" bringt nichts....), und ich habe es in drei Jahren geschafft. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich hier durchfahre und alle Katzen sehe, die gesund sind und ihr Leben geniessen. So soll es sein und nicht anders.

Anja Reuter
Privater Tierschutz Murcia
Spanien

Eingestellt: 01.07.2007

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