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Moses

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Meine Freundin Birgit überredete mich, dass es für mich und meine junge Kanaanhündin besser wäre, wenn ein zweiter Hund ins Haus käme.

Sie schickte mir Fotos nach Zehlendorf, und ich rief sie an und sagte, dass ich Bärli (so hatte sie ihn getauft) haben wollte. Ich nannte ihn Moses (weil er sozusagen im Wasser gefunden worden war (in einem Wasserrohr) - siehe Altes Testament.)

Eine politisch korrekte Leserin einer meiner Artikel, in der er vorkam, machte sein Name wütend:

Sowas tue man nicht, dann könne sie ja ihren Hund ebenso gut Jesus nennen.
Dabei hieß er doch Moses, weil er eben im Wasserrohr gefunden worden war.

Sein „Züchter“, ein Rad fahrender Alkoholiker, hatte ihn – ohne Leine – auf einem seiner Ausflüge zur Kneipe verloren und der etwa zehnwöchige Welpe hatte sich in diesem Rohr verkrochen. Die, die ihn fanden, brachten ihn zu meiner Freundin Birgit, die sich um ausgesetzte und schlecht behandelte Hunde kümmert, und sie stellte das grau-schmutzige Häufchen Hund unter die Dusche.

Und siehe da: Der Welpe wurde immer heller, immer schöner.

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Freundin Birgit, die mir schon lange zu einem Zweithund zu meiner Kanaan-Hündin geraten hatte, schickte mir ein Foto von ihm. Ich rief sie an, kaum dass ich es bekommen hatte:

Ja, den will ich haben.

Moses hing an mir, wie selten ein Hund an mir gehangen hatte.
Er folgte mir auf Schritt und Tritt, bis ins hohe Alter von fast 17 Jahren.

Er hatte alle Eigenschaften eines Hütehundes, die Angenehmen: nämlich absolut keinen Jagdtrieb und immer an meiner Seite, leider aber auch die Unangenehmen:

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Da es keine Schafe und anderes Getier für ihn zu hüten gab, hütete er Menora, später Alisha, noch später Batya, die Kanaanhündinnen, und mich. Und das tat er sehr heftig.
Er griff Leute an, von denen er annahm, sie könnten mir gefährlich werden: die Gärtnerin in Rädel, ihr Sohn, der noch heute eine Narbe davon hat, Spaziergänger, die uns zu nahe kamen.

Moses war – so hatte Birgit recherchiert – eine Mischung aus Bernhardiner und Collie.
Er wurde ein großer, stattlicher, ein gut aussehender Rüde. Das Erbe des Collies in ihm war besonders groß, Hütehund also. Da ich ihm keine Schafherde bieten konnte, hütete er, wie oben schon geschrieben, die Kanaan-Hündinnen, in seiner besten Zeit waren es drei. Und mich.

Kein anderer Hund durfte sich auch nur in die Nähe „seiner“ Hündinnen wagen. Ohne Ansehen des Geschlechts, womit er auch mancher Hündin einen gehörigen Schrecken einjagte.
Nach einem Zusammenstoß mit einem kräftigen beißfreudigen Rüden musste er einmal sogar genäht werden.

Hatte ich eine der Hündinnen mit Erfolg mit einem Kanaan verheiratet – natürlich ohne sein Beisein – war er ein geduldiger und liebevoller Onkel für ihre Welpen. Und verhalf den beiden, die aus den Würfen bei mir blieben, zu dem Selbstbewusstsein, zu dem ein großer, schutzbereiter Rüde Hunde-mädchen verhelfen kann.

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Mindestens ebenso viel Schutzinstinkt wie für die Hündinnen entwickelte Moses für mich.
Er fand sogar das Telefon gefährlich für mich. Am Ende war er fast völlig taub, doch das Telefonklingeln hörte er und bellte wie eh und je, wenn er auch nicht mehr versuchte, mich durch Kniffe in den Oberschenkel davon abzuhalten, den Hörer abzunehmen.

Kamen Besucher, habe ich Moses immer erstmal in einen anderen Raum gebracht, bis die Leute sich gesetzt hatten. Erst dann und wenn er sich überzeugt hatte, dass sie keine unmittelbare Bedrohung für mich darstellten, ließ er sie in Ruhe.

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Dabei hatte er durchaus auch Freunde neben mir. Menschen, die ihm das boten, was er am meisten – neben dem Fressen – liebte: Spaziergänge.

Sohn Jakob war so ein Freund, mit dem er begeistert um den Schlachtensee joggte oder in den Urlaub fuhr. Oder mein langjähriger Lebensgefährte Rudi, der über den Elbdeich mit ihm wanderte. Oder Nira, die lange Zeit die Morgenspaziergänge in Zehlendorf mit den Hunden über- nommen hatte.

Moses war ein imposanter Hund. Er war der beste Frisbee- fänger, den ich kenne.

Sein ganzes langes Leben lang hat er nie eine Leine gekannt. Was übrigens, wie mir scheint, besonders Männer an Hunden schätzen.

Er brauchte nur einen Ledergriff, wie man ihn für Pferde benutzt, und den mir deshalb nur meine Schwester Jutta besorgen konnte, um als Übersprungshandlung in ihn zu beißen bei seinen verrückten Runden, die er zu Anfang jeden Spaziergangs drehte.
Mindestens acht solcher Ledergriffe hat er im Laufe seines Lebens zerbissen.

Mit den Jahren wurde er immer hinfälliger, wie eine Kerze, die langsam verlöscht.
Immer wieder dachte ich: Jetzt! Und immer wieder rappelte er sich, immer wieder brachte ihn sein Lebenswille auf die Beine.

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In den letzten Wochen konnte er manchmal nicht mehr ohne Hilfe aufstehen.
Es kamen andere Beschwerden dazu. Man sah es ihm an: er hatte Schmerzen.

Es kam der Tag, an dem es ihm so schlecht ging, dass mein letzter Liebesbeweis sein musste, ihn von seinem Leiden zu erlösen. Freundin und Tierärztin Katharina kam zu uns nach Hause. Er war am Ende seines Lebens in vertrauter Umgebung und zusammen mit vertrauten Menschen, so dass er ganz friedlich einschlafen konnte.

Rund 16 Jahre war er mein Begleiter, mein Partner, mein Beschützer gewesen.

Er fehlt mir noch heute.

13.12.2017

15.12.2017


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Oder einen Gutschein über einen Tierheimbesuch im neuen Jahr!

Niemals ein Tier verschenken, ohne zuvor gefragt zu haben, ob es erwünscht ist!!
Eltern sollten sich immer bewußt sein, daß SIE die letztendliche Verantwortung für ein Tier haben und nicht das Kind - Egal ob Hund, Katze oder Meerschweinchen und egal, was man vorher sagt!!

 

 

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